Iman Humaidan Junis

Wilde Maulbeeren

Roman
Cover: Wilde Maulbeeren
Lenos Verlag, Basel 2005
ISBN 9783857873560
Gebunden, 127 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Aus dem Arabischen von Kristina Stock. "Das Gesicht taucht immer wieder vor mir auf. Meistens sehe ich es nur undeutlich. Mal ist es schön braun, dann wieder blässlich durchsichtig." Für Sarah ist die Mutter die grosse Unbekannte. Die ganze Kindheit und Jugend hindurch verzehrt sich das Mädchen nach der "bildschönen" Frau, die verschwand, als es drei Jahre alt war. Seither durfte ihr Name im drusischen Dorf, wo Sarah zusammen mit ihrem viel älteren Halbbruder unter der Obhut eines tyrannischen Vaters und einer bigotten Tante aufwächst, nicht mehr genannt werden. Die Mutter wäre im Dorf erstickt, vertraut ihr eine Nachbarin an, hätte sie sich nicht davongemacht. Auch Sarah hält die Enge nicht mehr aus. Überstürzt heiratet sie ihre Jugendliebe Karim und reist mit ihm nach England, wo sie weiter nach ihrer Mutter forscht. Ihre Bemühungen aber sind vergeblich, und schliesslich kehrt sie desillusioniert und allein ins Dorf zurück, wo nichts mehr ist, wie es war. Doch die Tochter, die sie erwartet, verleiht ihr Kraft und den Mut, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.01.2006

Eigentlich will Iman Humaidan-Junis die Geschichte einer Muttersuche erzählen, meint Anton Thuswaldner. Das könne man aber "getrost vergessen". Zu ungenau beschreibe Junis die verschwundene Mutter der Ich-Erzählerin, zu unentschlossen ist die Spurensuche, zu verwirrend wird das Ganze durch die später eingestreuten Nebenfiguren. Genau diese Nebenfiguren und die Geschichte drumherum findet Thuswaldner dann aber interessant. "Klarsichtig" werde hier der Umbruch in der libanesischen Gesellschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beschrieben, an eindrücklich ausgestalteten Figuren wie dem Patriarchen, dem seine angestammte Autorität schleichend abhanden kommt, oder der "bigotten alten Dame", die sich nicht an die veränderten Werte gewöhnen kann. In den Nebenplots habe Humaidan-Junis dann endlich auch ihre Sprache "unter Kontrolle".
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