"... ich bete zu dir, Madonna Gesichterl mit dem blonden Locken-Heiligenschein! Ave, Emma", gestand der feinsinnige Alfred Polgar der umschwärmten Schönheit Ea von Allesch, während der jugendliche Philosoph Otto Weininger erklärte: "Die Frauen haben keine Existenz und keine Essenz, sie sind nicht, sie sind nichts." Die Frauen der Wiener Moderne wurden vergöttert, dämonisiert oder zu Objekten degradiert. Als gleichwertige Partnerinnen sahen auch Männer wie Karl Kraus, Hermann Broch, Peter Altenberg oder Adolf Loos sie nicht. Bertha Eckstein-Diener, Ea von Allesch, Milena Jesenka, Lina Loos, Wanda von Sacher-Masoch und Frida Strindberg haben sich dagegen gewehrt. Als Schriftstellerinnen und Künstlerinnen gingen sie eigene Wege und schufen selbstbewusst ihre Werke.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.10.2003
Besonders glücklich ist der Rezensent mit dem Kürzel "jdl" nicht mit diesen Porträts von sechs Wiener Frauen, die ihrer Zeit weit voraus waren - im Künstlerischen ebenso wie im Emanzipatorischen. Denn davon ist in diesem Sammelband nicht viel übrig geblieben: "Freiheitsliebend mögen sie in ihrem Leben gewesen sein, doch Hertha Kratzers Buch zwingt sie zurück ins Behagen der Anekdote", klagt er. Das liegt für den Rezensenten nicht zuletzt daran, dass die Autorin sich vor allem für die Affären und Beziehungen der Frauen zu anderen berühmten Männern interessiert. So werden Männern wie Franz Kafka oder August Strindberg zum "Widerpart in einem tragischen Romanzentheater, dessen psychologisierender Ton von echter Emanzipation wenig spüren lässt".
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