Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Dieter Sudhoff. Der Band enthält zwei Romane: "Die Verstümmelten" von 1922 und "Die Klasse" von 1927.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.06.2002
Der Igel-Verlag, informiert uns Alexander Bartl, plant in diesem Jahr eine dreibändige Werkausgabe des deutschsprachigen Schriftstellers Hermann Ungar aus Prag, der ein Kollege und Zeitgenosse Kafkas war, aber heute nahezu vergessen ist. Band 1 und 2 sind soeben erschienen, der dritte soll im Herbst 2002 folgen. Zwei Romane, "Die Verstümmelten" aus dem Jahr 1922 und "Die Klasse" von 1927, versammelt der erste Band der Werkausgabe, beide erzählen von einem deklassierten Helden aus der "sozialen Forschperspektive". Typisch für Ungar ist die Verengung und Verlagerung der Perspektive nach innen und damit einhergehend die Aufhebung der Position eines allwissenden Erzählers, erklärt Bartl. Ungars Protagonisten seien schwach, seelisch verstümmelt wie der Bankangestellte im gleichlautenden Roman "Die Verstümmelten" oder zwanghaft ämgstlich und eifersüchtig wie der Lehrer aus "Die Klasse". Sie erleiden und betreiben eine Art Selbstzerfleischung, die Ungar mit sachlicher Präzision und Anteilnahme schildere. Etwas irritiert zeigt sich Bartl deshalb über das Schlusskapitel des zweiten Romans, das ein versöhnliches Ende anbietet - nach soviel "blindem Hass" mag der Rezensent dem nicht folgen. wirkt. Ein Zugeständnis an die damalige Kritik, vermutet er. Allgemein wirken Ungars Romane auf ihn durchaus aktuell und völlig unhysterisch, trotz des Leidensdrucks, den sie beschreiben.
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