Klappentext
Hermann Burger ist als einer der bedeutendsten Schriftsteller der Schweiz für sein lyrisches und erzählerisches Œuvre bekannt. Weniger bekannt hingegen ist, dass sich Burger ab 1970 auch im Genre des Dramas versuchte; allem voran in seinem Stück "Die Scheintoten", das er Ende 1987, auf dem Höhepunkt seines Schaffens, im Auftrag des Schauspielhauses Zürich verfasste. Zur integralen Aufführung gelangte es noch nie - Burgers früher Tod verhinderte das -, doch es verhandelt virtuos all seine Problemkonstanten: das Cimiterische, Circensische, Cigarristische, die Comedy Magic und sogar das Ferraristische.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.06.2026
Eher kurz geht der Germanist und Rezensent Simon Zumsteig auf Herrmann Burgers hier veröffentlichtes Stück ein, das der Autor 1987 im Auftrag des Zürcher Schauspielhauses zu Papier gebracht hat. Der Kritiker steigt mit Burger also hinab in eine "kalte Herberge" unter dem Wiener Zentralfriedhof, in der eine "erlesene Schar Scheintoter" bis in alle Ewigkeit ihr Dasein fristen muss (der Kritiker fühlt sich an Sartres "Geschlossene Gesellschaft" erinnert). Die untoten Gäste sind beispielweise der Zauberer Altobelli, der Pastor Wermelinger oder der Formel-1-Fahrer Frascati-San Remo, lesen wir, außerdem schreibt sich Burger selbst als Schriftsteller mit Namen Stocker in den Text hinein. Der Kritiker hält sich mit Werturteilen zurück, scheint aber durchaus fasziniert und verweist außerdem auf das "Kulessa-Fragment", eine Hommage an die Gräfin Hanne Kulessa und ein "hoch virtuoser" Text, der die Ankunft Stockers in der Unterwelt beschreibt.
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