Herman Bang

Ludvigshöhe

Roman
Cover: Ludvigshöhe
Manesse Verlag, Zürich 2014
ISBN 9783717522966
, 448 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Aus dem Dänischen von Ingeborg und Aldo Keel. Ihr altes Leben haben sie hinter sich gelassen nun stehen Ida und Karl ein wenig verloren und ratlos vor dem Neuanfang. Im Kopenhagen an der Wende zum 20. Jahrhundert entspinnt sich eine anrührende Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, die in stürmischer Zeit beieinander Halt suchen. Ludvigshöhe ist ein Sehnsuchtsort, ein idyllischer Gutshof in Jütland, wo alles seine Ordnung hat und jeder weiß, wohin er gehört: Die kleine Ida, die Tochter des Gutsverwalters, ebenso wie Karl, Sohn aus gutem Hause, der seine Sommerferien auf Ludvigshöhe verbringt. Als die beiden sich als Erwachsene in Kopenhagen wiederbegegnen, sind ihnen alte Gewissheiten abhandengekommen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.05.2014

Einen kritischen Gesellschaftsroman, der sich als solcher dem oberflächlichen Leser entzieht, einen undramatischen "Anti-Roman", der sich schon zum Zeitpunkt seines Entstehens 1908 gegen die Sinnenfreudigkeit des zeitgenössischen Gesellschaftsromans positioniert hat, sieht Hannelore Schlaffer hier vorliegen. Doch dem neugierigen Lesepublikum von heute rät sie zu Geduld und aufmerksamer Lektüre: Die dramatischen Abgründe dieser Geschichte um eine junge Frau, die sich opferwillig in Hierarchien und Abhängigkeitsverhältnisse fügt, muss man erst hinter dem Versteck der "abgenutzten Umgangssprache" und zahlreichen, zwar inhaltsleeren, aber bewusst so eingesetzten Wiederholungen bergen - instantaner literarischer Genuss, ästhetischer Liebreiz und melodramatischer Effekt sind also seine Sache nicht, bescheinigt die Kritikerin dem Autor. Stattdessen übt sich dieser in der "Minimal Art von Sprache und Geschehen", was seinerzeit schon eine Herausforderung darstellte und wohl fürs heutige Publikum erst recht, wie die Rezensentin abschließend ihr eigenes, trotz vorsichtiger Empfehlung, warnt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.03.2014

Thomas Steinfeld rechnet dem Manesse Verlag hoch an, diesen Roman von 1896, der den Weltruhm des dänischen Schriftstellers Hermann Bang begründete, in neuer Übersetzung vorzulegen. Denn erst in dieser Übertragung von Ingeborg und Aldo Keel wird die "Abgründigkeit des Geplauders" augenfällig, die im Gerede der Figuren aufreißt, wie der Rezensent versichert. Dies offenbart Bangs Roman um die an Feigheit und Standesdünkel scheiternden Hoffnungen einer Krankenschwester auf die Heirat eines geliebten Mannes vor allem in seinen Dialogen, wo sich hinter banalen Sätzen Vernichtendes verbirgt, so Steinfeld. Ein faszinierender Gesellschaftsroman des 19. Jahrhunderts, in dem nicht zuletzt die "Diskretion" des Autors seinen Figuren gegenüber einnimmt, wie der Rezensent lobt.
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