Helena Henschen

Im Schatten eines Verbrechens

Die Sydow-Morde
Cover: Im Schatten eines Verbrechens
Insel Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783458172642
Gebunden, 270 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Aus dem Schwedischen von Angelika Gundlach. Helena Henschen beschreibt einen der größten Gesellschaftsskandale des 20. Jahrhunderts in Schweden und sucht nach den Gründen, die zu diesem Verbrechen führten. Die Tragödie zweier Familien schildert sie so zart, traurig und poetisch, dass einem die Tränen kommen, und so unsentimental radikal, dass einem der Atem stockt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.01.2006

Beeindruckt zeigt sich Ulrich Baron von Helena Henschens Buch über die Sydow-Morde, die 1932 ganz Schweden erschütterten. Vorliegendes Buch von Helena Henschen, der Tochter von Frederik von Sydows Schwester, versucht das Verbrechen zu rekonstruieren. Obgleich als Roman ausgewiesen, beeindrucken Baron vor allem die nichtfiktionalen Passagen, in denen die Autorin auch die Schicksale der beiden ermordeten Hausangestellten und ihrer Familien beschreibt. Im Mittelpunkt sieht er den alkoholabhängigen und hoch verschuldeten Frederik und seine Frau Sofie, die er mit zwei Ertrinkenden vergleicht, die sich gegenseitig in die Tiefe ziehen. Eine "eindringlich erzählte" Geschichte, resümiert der Rezensent, über "zwei unglückliche Menschen, die vielen anderen Menschen Unglück brachten".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.11.2005

Ein "außergewöhnliches Buch" sieht Rezensentin Katharina Granzin in Helena Henschens "Im Schatten eines Verbrechens", in dem sich Autorin auf die Spur der "Sydow-Morde" von 1932 begibt. Täter war der Onkel der Autorin, Fredrik von Sydow, Opfer dessen Vater, der Reichstagsabgeordnete Hjalmar von Sydow, sowie seine Köchin und das Dienstmädchen der Familie. Bevor Fredrik verhaftet werden konnte, erschoss er sich und seine Frau Sofie. Wie Granzin berichtet, war dieses Verbrechen in der Familie der Autorin ein Tabu. Henschens Mutter, die Schwester Fredrik von Sydows, vernichtete sämtliche Spuren des Bruders. Um Licht in das Dunkel zu bringen, war Henschen zu langwierigen Recherche in Archiven und an Originalschauplätzen gezwungen. Granzin würdigt, dass Henschen diese Recherchen, das Schreiben und die eigenen Gefühle selbst zum Thema des Buches macht, sich nicht hinter der Maske der Chronistin versteckt, sondern die ihre Rolle beim Erzählen und die Subjektivität ihrer Interpretation immer offen legt. Das Ergebnis hat die Rezensentin sichtlich beeindruckt. Sie hebt lobend hervor, dass sich Henschen nicht anmaßt, das Unbegreifliche erklären zu können. Aber sie bette ihre spannende Erzählung einer großen Familientragödie so hellsichtig in den historischen Kontext ein, so Granzin, "dass dabei das fesselnde Porträt einer ganzen Epoche entsteht - das Bild Schwedens in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, zu Beginn des großen gesellschaftlichen Umbruchs."

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.10.2005

Um die Sydow-Morde, einen der größten schwedischen Gesellschaftsskandale des 20. Jahrhunderts, dreht sich Helena Henschens "späte Spurensuche", erklärt die Rezensentin Marion Löhndorf. Henschen selbst, klärt die Rezensentin auf, ist die Enkelin von Hjalmar von Sydow, den der eigene Sohn ermordete, bevor er sich und seine Frau erschoss. Henschens "Mischung aus dokumentarischen und erzählerischen Elementen" führt bei der Rezensentin zur Einsicht, dass dem aufsehenerregenden Mord "viele, lautlose Seelenmassaker hinter verschlossenen Türen" vorangegangen waren. Lobenswert erscheint der Rezensentin, dass Henschen bei ihrer Rekonstruktion des "katastrophalen familiären Zusammenlebens darauf verzichte, Schuldige zu finden. Dennoch beschreibe sie in ihrer zugleich distanzierten und mitfühlenden Analyse, wie das Familienleben unter dem Machtanspruch des pater familias, gegen den die Mutter nichts zu erwidern wussten, zur "Familienhölle" wurde. Gerade Henschens Auge auf die sozialen und politischen Umstände dieser Zeit erlaube ihr eine "kritische Befragung der Vergangenheit, die weit über das Private hinausgeht" und somit weitreichendere Gültigkeit erlange, so das abschließende Lob der Rezensentin.
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