Claassen Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783546100915 Gebunden, 304 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Während die Erde am 6. Februar 2023 in der türkisch-syrischen Grenzregion bebt, gerät auch das Leben der Erzählerin ins Wanken. Draußen zittert die Welt und sie durchlebt einen inneren Ausnahmezustand, der Vergangenheit, Privates und Politisches, Schmerz und Schönheit miteinander verwebt.In einer zärtlichen Trauer-Odyssee gräbt sie sich durch Erinnerungen. Die Kindheit in der Türkei, mythologische Reisen, Liebeserklärungen auf Bergen und Figuren, die so schräg wie faszinierend sind: der Experimentalfilmer Werner, die Literaturkritikerin Elisabetta mit ihren Klavierabenden, die Ziege der Nene und ein Mann namens Niemand, der mit ihr Sonnenuntergänge am Meer teilt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.03.2026
Die namenlose Erzählerin aus Hayat Erdogans neuem Roman sitzt in ihrer Wohnung in Zürich, als es in der Türkei und in Syrien zu einem verheerenden Erdbeben kommt, schildert Rezensentin Rahel Zingg die Ausgangssituation. Sie trifft sich mit Erdogan, die auch Theatermacherin ist, und die viele Erfahrungen mit ihrer Erzählerin teilt, die Erinnerung an die Kindheit in Anatolien, die Emigration nach Deutschland, die Begeisterung für James Joyces "Ulysses". Ihre Erzählerin denkt in 24 Kapiteln - der Odyssee nachempfunden - darüber nach, wie schwierig es war, in Deutschland über Bildung Anschluss zu finden, wie sehr der Zeitgeist danach verlangt, auf alle Katastrophen sofort die perfekte Reaktion parat zu haben, über ihre Familiengeschichte, so Zingg. An manchen Stellen ist ihr der Roman etwas zu überfrachtet, aber der Gestus, mittels der Literatur diese Erwartung nach ständiger Reaktion zu unterwandern und sich dafür großer literarischer Vorbilder zu bedienen, gefällt ihr sehr.
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