Sobald sein Name fällt, hat man sie vor Augen: großzügig in die Natur hineinkomponierte, lichtdurchflutete Bungalows, die den architektonischen Stil der amerikanischen Westküste um Los Angeles prägen. Dass Richard Neutras (1892-1970) Karriere in Berlin-Zehlendorf ihren Anfang nahm, wird gerne übersehen. Dabei stellen gerade die Zehlendorfer Häuser einen äußerst faszinierenden Abschnitt in Neutras Werk dar. Sie offenbaren mit ihrem komplexen Farbkonzept und ihrer extravaganten Innenausstattung nicht nur den experimentellen und radikal innovativen Entwurf. Vielmehr erkennt man in dieser kaum bekannten Seite seines Bauens auch schon Andeutungen, die sich in künftigen Projekten wiederfinden. Die vorliegende Publikation würdigt das Frühwerk eines der Hauptvertreter der klassischen Moderne und präsentiert neben historischen Quellen neue, bisher unveröffentlichte Dokumentationen der Häuser und ihrer ersten Bewohner.
Höchste Zeit, Richard Neutras Zeit in Berlin angemessen zu würdigen, findet Rezensentin Eva-Christina Meier. Entsprechend dankbar nimmt sie den von Harriet Roth herausgegebenen Band zur Hand, der ihr die Geschichte der Zehlendorfer Häuser erzählt, die der amerikanische Architekt während seiner Zeit im Berliner Architekturbüro von Ernst Mendelsohn zwischen 1921 und 1923 entwarf. Mehr noch: Roth, die selbst eines der Neutra-Häuser bewohnt, verknüpft geschickt Architektur- und Zeitgeschichte, lobt die Kritikerin, die in diesem vorbildlich recherchierten Band nicht nur erfährt, dass die vier Neutra-Häuser als Auftakt zur Großsiedlung "Onkel Toms Hütte" dienten oder nachliest, wie die städtebaulichen Ideen auf politischen Widerstand stießen, sondern auch die Biografien der ersten Bewohner der Zehlendorfer Häuser verfolgt.
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