Hans-Werner Goetz

Geschichtsschreibung und Geschichtsbewusstsein im hohen Mittelalter

Cover: Geschichtsschreibung und Geschichtsbewusstsein im hohen Mittelalter
Akademie Verlag, Berlin 1999
ISBN 9783050032214
Gebunden, 501 Seiten, 50,11 EUR

Klappentext

Der Gegenwartsbezug jeder Geschichtsschreibung ist bislang kaum systematisch untersucht worden. Das in diesem Buch behandelte hohe Mittelalter, eine wichtige "Umbruchs- und Krisenzeit" in der Geschichte sowohl des Denkens wie des Handelns innerhalb der Epoche des Mittelalters, eignet sich für einen solchen Ansatz in besondere Weise: Es war, was die gebildeten Schichten anbelangt, unbestritten eine Epoche hohen Geschichtsbewußtseins, die erstmals seit der Spätantike wieder große geschichtstheologische Synthesen, etwa bei Hugo von St. Viktor oder Otto von Freising, hervorgebracht hat. Ausgezeichnet durch eine umfängliche Produktion historiographischer Werke und das Aufkommen neuer historiographischer Gattungen, bietet es aus geschichtswissenschaftlicher Sicht einen guten Einblick in das epochen- spezifische Geschichtsverständnis. Während über das hochmittelalterliche Geschichtsbild zahlreiche Detailuntersuchungen vorliegen, ist das diesem zugrundeliegende Geschichtsbewußtsein von der Forschung allenfalls in ersten Ansätzen in den Blick genommen worden, während eine nähere Analyse und eine zusammenhängende Darstellung dieses Gegenstandes fehlen. Beides wird nun mit diesem Band geboten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.12.2000

Als eine "Mischung aus Handbuch und Abhandlung" bezeichnet Hermann Kamp dieses Buch in seiner insgesamt sehr positiven Rezension. Nach seinem Referat erfährt man im ersten Teil des Buchs Grundsätzliches über die Rahmenbedingungen mittelalterlicher Geschichtsschreibung erfahren, die vom Investiturstreit bis hin zur Feststellung reichen, dass alle Geschichtsschreibung jener Zeit religiös grundiert war. Der zweite Teil ist für Kamp der interessantere. Goetz gelingt es hier nach Kamp, über den Umweg über die Geschichtsschreiber etwas über das Geschichts- und Zeitbewusstsein des Mittelalters im allgemeinen herauszufinden. So lernt man etwa, dass das Mittelalter noch keinen Bruch zwischen der Antike und der eigenen Epoche sah - dies war erst in der Renaissance der Fall, dass Vergangenes nie als "fremd" verstanden worden sei, dass eine Dimension der Zeitlichkeit, die heute selbstverständlich ist, also noch fehlte, und dass Geschichte zumeist im Interesse von Institutionen geschrieben worden sei, um aktuelle Machtansprüche zu rechtfertigen Insgesamt gibt Goetz nach Kamp den "Rahmen für künftige Diskussionen vor".