Der Schlaf: seit Jahrtausenden Gegenstand von Mythen, Erzählungen und Bildern.
Der Mensch verschläft ein gutes Drittel seines Lebens. Die Zeit, die wir im Schlaf verbringen, ist eine unbewusste, unproduktive und untätige, aber auch eine
lebensnotwendige und herbeigesehnte Zeit. Wie geht nun eine Gesellschaft, in der wissenschaftliches Verstehen, Rationalität und Effizienz eine zentrale Rolle spielen, mit einem so widerspenstigen Phänomen wie dem Schlaf um?
Hannah Ahlheims Studie über die Entwicklung des "Schlafwissens" in Deutschland und den USA seit dem späten 19. Jahrhundert verbindet konsequent die Geschichte einer Wissenschaft mit der Geschichte der modernen Gesellschaft. Sie zeigt, dass nicht nur das Bild vom schlafenden Körper, der träumenden Seele bzw. dem träumenden Gehirn ein anderes geworden ist. Die Arbeit mit dauerwachen Maschinen, aufgeweichte Grenzen zwischen Tag und Nacht, Fortschritte der Wissenschaft, die Entwicklung von synthetischen Schlafmitteln und die Erfahrungen des Krieges stellten neue Anforderungen an die alltägliche Organisation des Schlafens und beförderten die Angst vor dem Verlust des Schlafs.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2018
Andreas Mayer wird nicht recht froh mit dem Buch der Historikerin Hannah Ahlheim. Der Versuch der Autorin, das wissenschaftliche Interesse am Schlafproblem als politisches und ökonomisches Interesse darzustellen, erweitert laut Mayer zwar US-amerikanische Arbeiten zum Thema und rekonstruiert Verbindungen zwischen Wissenschaft, Industrie und Militär. Die von Ahlheim angestrebte Verschränkung von Wissenschafts- und Sozialgeschichte überzeugt den Rezensenten aber vor allem im ersten Teil des Buches nicht durchweg. Besser gefallen hat ihm der zweite Teil. Hier zeichnet die Autorin quellenstark ein nuanciertes Bild der westdeutschen Schlafforschung der Kriegs- und Nachkriegszeit, findet Mayer.
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