Aus dem Amerikanischen von Wolfram Ströle. Die Lektüre entführt den Leser in das Hollywood der dreißiger Jahre. Milli schildert ihre Begegnung mit der leidenschaftlichen Pilotin Molly Lammana, die ihr Gedächtnis verloren hat und geradewegs aus dem Venusblau des Himmels gefallen zu sein scheint. Milli versucht etwas über Mollys Vergangenheit herauszubekommen, sie folgt ihren Spuren nach Frankreich, dann nach Spanien, wo inzwischen Bürgerkrieg herrscht. Sie hört von einem Geschwisterpaar, das mit Molly zusammenlebte, und von Mollys Kind, das - angeblich - verunglückt sein soll. Als Milli sich mit Molly treffen will, um ihr von ihren Nachforschungen zu erzählen, erfährt sie, dass Molly mit dem Flugzeug abgestürzt ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.04.2003
Peter Körte hat zwei Romane des hierzulande "praktisch unbekannten" amerikanischen Autor Gustaf Sobin gelesen, die sich beide um den Mythos des weiblichen Kinostars drehen. In "Venusblau" entdeckt ein an Krebs erkrankter Drehbuchautor das Tagebuch einer gewissen Millicent Rappaport, das ein "Dokument ihrer unerfüllten Liebe" zum fiktiven Kinostar Molly Lamanna darstellt, resümiert der Rezensent den Inhalt. In dem Wechsel zwischen der Erzählperspektive des Erzählers und der Tagebuchschreiberin entsteht für Körte ein "solider Spannungsbogen", der ihm gefällt. Allerdings stören ihn die drohenden "Schatten des Zweiten Weltkriegs", die der Autor in die Geschichte dieser Liebe zu einer Kultfigur eingebaut hat und er moniert bei Sobin überhaupt einen Hang, seine Geschichten mit zuviel "Bedeutung zu überwölben". Insgesamt aber preist er die "bildhafte, elegante Sprache" und "wunderbare Sätze" hat er in diesem Buch auch gefunden, die ihn für den Roman einnehmen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.01.2003
Als "Meisterwerk" würdigt Rezensent Jürgen Brôcan den nun auf deutsch vorliegenden ersten Roman des amerikanischen Lyrikers Gustaf Sobin. Angelegt als eine "kritische Hommage an das Hollywood der dreißiger Jahre" erzähle Sobin in "Venusblau" eine mitreißende Geschichte mit philosophischem Tiefgang, voller Sinnlichkeit und Sentiment, vielschichtig konstruiert, in kraftvoller Sprache, umweht von einem Hauch Film noir, lobt Brôcan. Die komplexe Handlung um den Lungenspezialisten Stefan Hollander, der sich vom Tagebuch der Drehbuchautorin Millicent Rappaport, Aufschlüsse über den bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommenen Hollywood-Star Molly Lamanna erhofft, bildet für Brôcan ein "Drama menschlicher Verwicklungen, in dem die Personen zueinander wie Spiegel- und Gegenbilder stehen." Zum Bedauern des Rezensenten ist die Übersetzung des Romans "fragwürdig" ausgefallen. Zwar lese sie sich erfreulich angenehm und flüssig, bewahre aber oft nicht den spröden Stil des Originals, als dürfe er dem Publikum nicht zugemutet werden, kritisiert der Rezensent. Nicht akzeptabel findet er zudem, dass Satzkonstruktionen versimpelt und einzelne Worte oder ganze Sätze eliminiert werden.
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