Gunther Geltinger

Moor

Roman
Cover: Moor
Suhrkamp Verlag, Berlin 2013
ISBN 9783518423936
Gebunden, 440 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Er ist dreizehn und wächst ohne Vater auf. Er stottert und heißt wie kein anderes Kind im Dorf, in der Schule: Dion. Dion Katthusen, Außenseiter unter den Gleichaltrigen, Einzelkind, Libellensammler in einer Moorlandschaft voller Mythen und Legenden. Am Ende seiner Kindheit erzählt er seine Geschichte: von der Sehnsucht nach einer intakten Sprache, vom Verhältnis zu seiner Mutter, einer erfolglosen Malerin, die ihr Scheitern in der Kunst und im Leben mit ihrer grenzüberschreitenden Liebe zum Sohn kompensiert. Doch wie der morastige Boden am Rand des norddeutschen Dorfes, in dem er aufwächst, ist auch Dions Sprache voller Löcher und Spalten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.06.2014

Als "hochbegabter Zauberlehrling" erweist sich Gunther Geltinger in seinem zweiten Roman "Moor", findet Samuel Moser und meint damit, dass der Autor mit der Fülle seines Talents und seiner Ideen eine ziemliche Überschwemmung anrichtet. Märchenhaft und mythisch angehaucht, dreht die Geschichte um den Stotterer Dion Katthusen immer wieder in Trash-Gefilde ab, wenn sich etwa die inzestuöse Hassliebe zu Dions Mutter Marga in den Vordergrund drängt, fasst der Rezensent den "zwischen antiker Tragödie und romantischem Kitsch, zwischen Dorfposse und Psychopornografie, zwischen Hänsel, Gretel und Batman" schwankenden Roman zusammen. Aufregend und gelungen findet Moser die Erzählinstanz, die vielleicht das Moor, vielleicht die Sprache selbst ist, aber auch sie wird mit zunehmendem Verlauf von Geltinger überfrachtet, bedauert der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.01.2014

Exzess, Krankheit und Tod, das alles verpackt Gunther Geltinger auf eine für Ina Hartwig einzigartige, packende und mutige Weise in seiner Rätselgeschichte vom stotternden Mädchen Dion Katthausen. Das Moor als Sinnbild des Unheimlichen ist so ziemlich das einzige Plakative, das der Autor bemühen muss, um Hartwig in seinen Bann zu schlagen. Mehr als die Moorleiche sind es die großartigen Nebenfiguren, die die Rezensentin überzeugen, der Eindruck, dass der Autor wirklich weiß, wovon er spricht, wenn er das Extreme und Kaputte und Depressive in den Blickpunkt rückt, und eine Mutterfigur, die Hartwig das Gruseln lehrt. Für die Rezensentin eine durchaus schmerzvolle Lektüre, aber zum Glück keine moralisierende oder sozialkitschige, wie sooft, wenn die Psyche im Spiel ist.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.11.2013

Christoph Schröder vermutet, dass es an dem starken Bücherherbst dieses Jahres liegt, dass Gunther Geltingers zweiter Roman "Moor" unbeachtet geblieben ist - zu wenig beachtet jedenfalls, findet der Rezensent. Das Buch konfrontiert den Leser auf großartige Weise mit sämtlichen Zumutungen der Dorfwelt, alles ist "schicksalsbesetzt" und "psychosengesättigt", erklärt der Rezensent, und Geltinger tut das in einer überbordenden Sprache, die dem kaputten Sprechen des stotternden Protagonisten, der sich später selbst als Autor entpuppt, den Kampf ansagt, fasst Schröder zusammen. "Wenn K und D gemeinsam aufmarschieren, kannst du nur die Waffen strecken", heißt es an einer Stelle im Roman, doch Dion Katthusen - schon sein eigener Name ist ihm eine Qual, weiß der Rezensent - schreibt wütend gegen die Sprachlosigkeit an, berichtet Schröder. Besonders hat den Rezensenten die Perspektive fasziniert, die Geltinger gewählt hat: das Moor selbst erzählt die Geschichte, verrät Schröder.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.10.2013

Es gibt Geschichten, die sich nicht erzählen lassen, und es gibt große Literaten, die sie trotzdem erzählen können, meint Rezensent Daniel Schreiber, der Gunther Geltinger und seinen neuen Roman "Moor" als faszinierendes Beispiel für seine These vorstellt. Geltinger lässt in seinem Buch die Landschaft selbst die Geschichte erzählen, das Moor, das die Träume und Erinnerungen seiner Einwohner genauestens kennt, aber auch dazu tendiert, sich in ihnen zu verlieren, sie für wahr zu nehmen, obwohl hinter ihnen Verdrängtes und Überlagertes lauert, fasst Schreiber zusammen. Irgendwie schafft Geltinger es, einen Stoff, der anders aufbereitet auch eine der zahlreichen "Fake-Dokus im Nachmittagsfernsehen" füllen könnte, zu hoher Literatur zu erheben, staunt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.09.2013

Was ein konzises Kammerstück über einen Mutter-Sohn-Konflikt hätte werden können, wenn es denn seinen Mitteln vertraut und mit ein paar weniger Figuren und Adjektiven vorlieb genommen hätte, geht Anja Hirsch in seiner tatsächlichen Form nach anfänglichem Staunen über den Sprachreichtum auf die Nerven. Die von Gunther Geltinger prall und wuchtig, wie Hirsch erklärt, erzählten Erlebnisse eines Dreizehnjährigen in einer norddeutschen Moorgegend machen auf die Rezensentin zunächst den Eindruck eines Sozialdramas. Leider geht ihr der Autor mit seiner Detailbeschreibungswut zu weit, auch langt er mitunter daneben, schafft "unsaubere" Bilder und Redundanzen. Und schon die Mutter des Jungen scheint Hirsch nicht mehr mit eigener Stimme zu sprechen, sondern mit einer übergestülpten.
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