Günter Benser

DDR - gedenkt ihrer mit Nachsicht

Karl Dietz Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783320019846
gebunden, 479 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Über die historischen Vorgänge, für welche die Buchstaben DDR stehen, wird gegenwärtig mehr geschrieben, gesprochen und vor allem gestritten als über die Geschichte der Bundesrepublik. In diesen Diskurs schaltet sich der Autor mit einem Buch ein, das unverwechselbare Züge trägt, weil es reales Geschehen und eigenes Mittun miteinander verknüpft. Frühere Ansichten werden an neu gewonnen Einsichten gemessen. Denn der Autor hat DDR-Geschichte dreifach erfahren. Er hat sie als Zeitgenosse erlebt und mitgestaltet. Er schrieb als Historiker, der sei Mitte der fünfziger Jahre mit der Geschichte der DDR befasst war. Und er hat inzwischen Werden und Vergehen der DDR wie auch seinen eigenen Platz in diesem Geschehen mit dem Abstand eines Jahrzehnts überdacht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.06.2000

Ziemlich ärgerlich findet Susanne Katzoke das Buch des ehemaligen Mitglieds des "Nationalkomitees der Historiker der DDR". In seiner Darstellung der DDR ignoriere er den heutigen Forschungs- und Quellenstand und setze seine ideologische Lesart der Geschichte ungebrochen fort: Die deutsche Teilung ist demnach den Westalliierten anzulasten, die Vereinigung verhinderte Besseres usw.. Katzorke hört "die Frustration des ehemaligen Funktionärs" zu deutlich heraus, um solche Einschätzungen ernstnehmen zu können. Die Darstellung realsozialistischer Verhältnisse mit ihren Klischees von "vorbildlichen Arbeitern" und friedliebenden Bürgern findet sie entnervend. Und wirklich empört ist sie dann über den Vergleich des Kosovo-Krieges mit dem Einmarsch von Warschauer Pakt-Truppen in Prag 1968. Bensers heutige Lesart der DDR entspringt der Frustration von einem, so Katzorke, der den eigenen "Privilegien" nachtrauert.
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