Gisela Elsner

Die teuflische Komödie

Cover: Die teuflische Komödie
Verbrecher Verlag, Berlin 2015
ISBN 9783957321183
Kartoniert, 160 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Mitarbeit: Christine Künzel. Ort: die Erde. Zeit: die nähere oder fernere Zukunft - nach dem Zusammenbruch eines Vierten Reichs. Der Menschheit droht die Vernichtung durch einen nuklearen Krieg. Die Regierungsmitglieder der wichtigsten westlichen Staaten haben sich in Satelliten geflüchtet, um dem Inferno zu entgehen. Doch dann kommt alles ganz anders: Die Welt wird in letzter Minute gerettet - und zwar durch eine Revolution. Die sogenannten Gleichmacher versuchen, nach ihrem Sieg ein sozialistisches System zu etablieren - nicht gewaltfrei. Es wird grausam gefoltert und leidenschaftlich hingerichtet. Doch bei Gisela Elsner wird die Racheorgie bis zur Burleske getrieben. Nach dem Vorbild der russischen Revolution werden Volkskommissare eingesetzt, um eine provisorische Regierung zu bilden. Elsner hatte offenbar Spaß daran, die absurdesten Kommissariate zu erfinden, so einen Volkskommissar für Meinungsmanipulationsahndung, eine Volkskommissarin für Familienentflechtung oder gar einen Volkskommissar für Bourgeosieerrungenschaftsentrümpelung.
Erzählt wird aus der Perspektive eines Vertreters des kapitalistischen Systems, des ehemals prominenten Fernsehkommentators Benno Flex. Durch diesen "Kunstgriff" solle sich das kapitalistische System selbst entlarven - so die Hoffnung Elsners. 1986, als sie mit der Arbeit an dem Manuskript begann, war dies noch vorstellbar. Doch das sollte sich mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der verbündeten sozialistischen Staaten ändern. So blieb der Text ein Fragment - ein sehr umfangreiches und von der Idee her ausgereiftes. "Die teuflische Komödie" zeigt, dass Gisela Elsner keineswegs davor zurückschreckte, auch den Sozialismus ihrer satirischen Kritik auszusetzen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.09.2016

Rezensent Moritz Scheper freut sich, dass dieser Fragment gebliebene Roman aus dem Nachlass der so radikalen wie exzentrischen Autorin Gisela Elsner geborgen wurde. In der Erzählung um eine sozialistische Weltrevolution erlebt er die "bissige Miesepetra" noch einmal in Bestform: Scheper folgt hier dem ehemaligen Fernsehkommentator Benno Flex, der den Verlust seiner kapitalistischen Privilegien beklagt und im neuen System, das gleich einer "jakobinischen Gewaltorgie" Lynchmorde, Tribunale und Guillotinierungen zelebriert, um sein Leben bangt. Wie Elsner hier mit beißendem Sarkasmus und Freude an grausamen, grotesken Details mit der Gorbatschow-Ära abrechnet, die verdorbene Gesellschaft porträtiert und den Sozialismus zwar als Strafgericht über den Kapitalismus, aber nicht als echte Alternative inszeniert, hat der Kritiker mit Vergnügen gelesen.
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