Aus dem Italienischen von Judith King. Eine Geschichte aus Palästina, beinahe zeitlos: Besatzung, Hungersnöte, Frömmelei, Clangesellschaft, Fanatismus als Grundübel. Dreißigjährig blickt Jesus auf sein Leben zurück, das er als rebellischer Heranwachsender teils mit der Suche nach seinem verschwundenen Vater verbracht hat; eine Wanderschaft voller Abenteuer und Gefahren, samt dem glühenden Erwachen des Eros. Maria, die Mutter, war selbst noch ein Kind, als sie ihn bekam, vermutlich infolge einer Vergewaltigung. Nun hat sie ein Geheimnis, einen unausgesprochenen Plan. Der ernüchterte, gleichzeitig getriebene Jesus spürt, dass er ihre Erwartungen nicht erfüllen kann, bis es zu einer letzten Wendung kommt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.08.2024
Rezensentin Christiane Pöhlmann hat Giosuè Calaciuras fiktive Biographie von Jesus mit Interesse gelesen. Der Autor spielt darin mit dem Stoff des neuen Testaments, indem er dessen Hauptfigur, so die Rezensentin, anthropomorphisiert: Bei Calaciura zieht Jesus, von seinem Vater verlassen, aus, um diesen zu suchen, verliebt sich, will sich umbringen, wird von einem gewissen Judas davon abgebracht. Hinter dem Mythos, der sich um Jesus und die vermeintlich von ihm vollbrachten Wunder entspinnt, steckt laut Pöhlmann nicht zuletzt seine Mutter, die ihren Wunsch nach Trost auf ihn projiziert und das Leben des Helden zu einer Art selbsterfüllenden Prophezeiung werden lässt. Die Rezensentin lobt besonders die Originalität dieser zum Denken anregenden Geschichte.
Rezensentin Julia Schröder merkt, wie schwer es ist, über Jesus zu schreiben. Giosue Calaciuras Versuch einer Entmythologisierung überzeugt sie nicht. Der Autor konzentriert sich auf Jesus als suchenden Sohn. Das Motiv der Vatersuche und das der Mutterbindung spielt der Text laut Schröder leider nicht ohne die üblichen Projektionen (Heimsuchungen, Zweifel) durch. Als negativer Bildungsroman erscheint Schröder der Text allzu mythisch überhöht. Der "Legendenton" erscheint ihr außerdem problematisch. In der deutschen Übersetzung klingt das angestaubt, findet sie.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…