Gerard Donovan

Ein bitterkalter Nachmittag

Roman
Cover: Ein bitterkalter Nachmittag
Luchterhand Literaturverlag, München 2010
ISBN 9783630873428
Gebunden, 336 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Thomas Gunkel. Ein Nachmittag in einem Dorf irgendwo im winterlichen Europa: Ein Mann gräbt auf einem Feld ein großes Loch, ein anderer wacht über ihn. Der Schnee fällt, Soldaten marschieren vorbei, Lastwagen karren Dorfbewohner an den Waldrand. Während rings umher ein Bürgerkrieg tobt, beginnen die beiden Männer miteinander zu reden. Sie kennen sich, der Bewacher ist der Lehrer, der Mann in der Grube der Bäcker des Dorfes. Sie stehen auf verschiedenen Seiten in diesem nicht näher benannten Konflikt, und sie tasten sich aneinander heran, indem sie über den Menschen, die Zivilisation, die Geschichte des Krieges und über Gewalt reden. Philosophische Dispute, listige Spiegelgefechte, spielerische Anklagen vertreiben die Kälte und verkürzen die Zeit. Und doch muss die Grube gegraben werden, sie dient einem Zweck, der beiden nur allzu klar ist. Im Laufe weniger Stunden offenbart sich nicht nur, warum die beiden sich an diesem Ort, in dieser Situation befinden, sondern auch, dass die Geschichte der Menschheit und der Zivilisation untrennbar verbunden ist mit der Geschichte der Gewalt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.11.2011

Wirklich ein Roman? Für Margret Fetzer scheint dieses erst jetzt bei uns erscheinende Debüt des Iren Gerard Donovan strukturell doch eher dramatische Qualitäten zu haben, die beiden Gestalten, die sich hier während eines Krieges auf einem winterlichen Friedhof begegnen, erinnern sie in ihren Dialogen auch oft an Beckett, allerdings ohne dessen Pointensicherheit. Auch wenn Donovan hier und dort ein Aphorismus gelingt, stilistisch kann sie diesem Roman ohne Handlung nichts Neues abgewinnen. Viel spannender hätte Fetzer es gefunden, wenn der Autor die Frage nach dem Bösen im Menschen, die hier eher reißerisch in vorgestellten Bildern des Grauens verhandelt wird, konkretisiert hätte, am besten in einem echten Roman.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.05.2011

Rezensent Hans-Peter Kunisch findet Gerard Donovans Roman-Erstling "Ein bitterkalter Nachmittag" sehr beachtlich. Angesiedelt in einer namenlosen Stadt nach einem nicht näher bezeichneten Krieg kreist der Roman um einen Bäcker, der eine Grube aushebt, und einen Lehrer, der ihm dabei zuschaut - eine Konstellation, die Kunisch an Beckett erinnert. Spannend scheint ihm, wie der Autor den Leser zunächst mit dem Bäcker sympathisieren lässt, während er den Lehrer scheinbar als Kollaborateur zeigt. Vor allem hat ihn die "Endzeitstimmung" beeindruckt, die Donovan entfalten kann. Auch wenn das Buch seines Erachtens nicht ganz an Donovans zweiten (hierzulande zuerst erschienenen) Roman "Winter in Maine" herankommt, sticht es für ihn positiv aus der Masse der "mehr oder weniger zähen Möchtegern-Unterhaltungsliteratur" heraus.
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