Matthes und Seitz, Berlin 2026
ISBN
9783751850018 Gebunden, 454 Seiten, 38,00
EUR
Klappentext
Aus dem Französischen von Bernhard Lang. Nordfrankreich 1920: Ein junger katholischer Geistlicher wird Pfarrer im Dorf Ambricourt. Weder mit den lethargischen Dorfbewohnern noch mit dem Grafen kann er sich anfreunden. Um einen klaren Kopf zu behalten, beginnt er, Tagebuch zu führen. Seine Aufzeichnungen offenbaren ihn als begabten Schriftsteller und religiösen Denker, aber auch als unbeholfenen, naiven Menschen, der mit den einfachsten Dingen des Alltags, seinen Mitmenschen und Vorgesetzten nicht zurechtkommt. Trotz eines Magenleidens stürzt er sich in die Arbeit, die ihm jedoch keine Anerkennung bringt. Eine Ausnahme: das Gespräch mit der Schlossherrin, der er hilft, ihre seelische Blockade zu lösen. Dieser kleine Erfolg wird ihm sofort wieder genommen, denn als die Gräfin am nächsten Tag stirbt, fällt ein furchtbarer Verdacht auf den Pfarrer. Eine tiefe Depression überkommt ihn - und stürzt auch sein Gottvertrauen in eine schwere Krise.Nüchtern und tiefgründig zugleich schildert Tagebuch eines Landpfarrers die Verzweiflung einer verunsicherten Existenz und die Verwerfungen der menschlichen Seele, die nur der Glaube retten kann.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.10.2026
Jean-Paul Sartre war ein Fan dieses Buchs - und der hier rezensierende katholische Theologe Jan-Heiner Tück ist offensichtlich auch einer. Georges Bernanos' ursprünglich 1936 erschienener Roman handelt von einem katholischen Pfarrer in Ambricourt, der versucht, seiner Gemeinde, so gut es geht, zu dienen, wobei seine Bemühungen allzu oft nicht von Erfolg gekrönt sind. Im Zentrum steht jedoch nicht das manifeste Wirken des Pfarrers, sondern sein Innenleben, das geprägt ist von Selbstzweifeln und einer Ernsthaftigkeit des Glaubens, der als Auftrag begriffen wird. Tück beschäftigt sich in seiner Rezension hauptsächlich mit der Frage, inwiefern Bernanos' Buch heute noch aktuell ist - und zwar insbesondere als katholischer Roman. Interessant findet der Rezensent vor allem, dass das Buch ein Gegenmodell zur Leistungskultur unserer Gegenwart darstellt, da die Berufung der Hauptfigur nicht in Frage gestellt wird, nur weil sie in der äußeren Wirklichkeit keine Früchte trägt. Insofern kann die Veröffentlichung, glaubt Tück, dazu beitragen, die Aktualität eines katholischen Denkens zu belegen, weil dieses Denken Begriffe für auch heute noch wichtige Erfahrungen wie Scheitern und Schuld zur Verfügung stellt. Selbstverständlich sind solche Begriffe nicht mehr, stellt Tück klar, was man schon daran sieht, dass das von Bernhard Lang stark übersetzte Buch ein Glossar enthält, das die religiöse Sprache aufschlüsselt. Insgesamt ist Tück überzeugt davon, dass das Buch auch den Lesern von heute noch etwas sagt, vor allem weil es katholisches Denken "nicht als Idylle präsentiert", sondern in seiner dunklen Widersprüchlichkeit aufscheinen lässt.
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