Unser gesichertes Wissen über die Urgeschichte der Menschheit ist angesichts der dünnen Quellenlage sehr begrenzt. Dennoch werden seit längerer Zeit sehr erfolgreiche Fernsehdokumentationen ausgestrahlt, die minutiös den Alltag in der fernsten menschlichen Vergangenheit präsentieren. Georg Koch untersucht, wie diese Darstellungen aus dem Zusammenspiel von Filmemachern und Wissenschaftlern entstanden und welchen Wandel sie seit den 1950er Jahren in der Bundesrepublik und in Großbritannien durchliefen. Er zeigt, wie Archäologen zu Medienstars des frühen britischen Fernsehens wurden, wie Hightech, Exotik und Abenteuer Einzug in die Darstellung der Archäologie hielten und wie inszenierte Erzählungen ein Millionenpublikum erreichten. Dabei wird deutlich, dass sich in den Betrachtungen der Urgeschichte stets Projektionen der Gegenwart finden, die zeitgemäße Antworten auf gesellschaftliche Fragen bieten.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 06.08.2019
Edelgard Abenstein stört sich an den Wissenschaftsfloskeln in der Dissertation von Georg Koch. Abgesehen davon aber bietet ihr die Arbeit einen übersichtlichen, chronologischen Aufbau und eine "fleißige" historische Darstellung der Popularisierungsmechanismen in Film und Fernsehen, wie sie unsere Herkunft und die Urgeschichte in zeittypischem Selbstverständnis abbildeten. Wie sich dabei die Wissenschaft selbst den Medien anverwandelte, vermag der Autor der Rezensentin ebenso zu vermitteln wie er ihr die Rolle der prähistorischen Archäologie in der Nazi-Ideologie auseinanderzusetzen weiß.
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