Klopstocks Odenschaffen währte von 1747 bis 1802, also fast so lange wie
das schöpferische Leben des Dichters überhaupt. Seiner Lyrik verdankt
Klopstock sein stärkstes Nachleben. Diese Ausgabe ersetzt die
kritisch-historische Oden-Ausgabe, die Franz Muncker und Jaro Pawel 1889
in zwei Bänden herausgegeben haben. Ihr Textbestand ist in der neuen
Ausgabe um 6 Gedichte auf 236 vergrößert worden: um drei ungedruckte,
zwei gedruckte und eine Ode, die von Muncker/Pawel nur als Fassung
aufgefasst wurde. Die Hauptgrundlage der
Textwiedergabe ist auch für diese Neuedition Klopstocks letzte
Oden-Ausgabe von 1798, Band 1 und 2 der Göschen-Ausgabe der "Werke",
sowie der postum 1804 erschienene Band 7 dieser Ausgabe. Die beiden
Apparatbände beschreiben die Überlieferung, geben Zeugnisse und
erläuternde Hinweise zum Text und verzeichnen Varianten und Lesarten,
zum Teil in synoptischer Darstellung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.08.2016
Roland Reuss kommt erst am Schluss seiner Besprechung auf den hohen Preis dieser Ausgabe von Friedrich Gottlieb Klopstocks Oden zu sprechen. Davon abgesehen scheinen ihm die Philologen Horst Gronemeyer und Klaus Hurlebusch ganze Arbeit geleistet zu haben, um das metrisch bedeutende, laut Rezensent leider wenig bekannte Werk dem Publikum ugänglich zu machen. Dazu gehört für Reuss ein mustergültiger, eleganter Apparat und eine Quellensammlung und -erschließung, die er merklich genauer findet als bei allen vorangehenden Ausgaben. Dass eine "Normalisierung" der Quellen und editorische Willkür buchstäblich bis aufs Komma hier nicht stattfinden, scheint Reuss zudem bemerkenswert. Auch wenn die Synopse durchgängig wirkt "wie der textgenetische Apparat einer innerhandschriftlichen Analyse" und damit einen falschen Eindruck erweckt, wie Reuss krititisert, kann er die Ausgabe als Monument moderner Philologie, ja geisteswissenschaftlicher Forschung überhaupt empfehlen.
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