Friedrich Ani

Wie Licht schmeckt

Ab 13 Jahren
Cover: Wie Licht schmeckt
Carl Hanser Verlag, München 2002
ISBN 9783446201200
Gebunden, 192 Seiten, 12,90 EUR

Klappentext

Lukas hat einen ungewöhnlichen Wunsch zu seinem 14. Geburtstag: ein paar Tage allein durch München streifen. Unterwegs lernt er die blinde Sonja kennen. Sie öffnet ihm die Augen, und er lernt, das Leben und seine eigenen Gefühle neu zu entdecken: Plötzlich ist jedes Geräusch, jede Berührung intensiver. Lukas weiß, dass er Sonja nicht verlieren will. Nur wie er das schaffen kann, weiß er nicht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.05.2002

Christina Thurner stellt mehrere Jugendbücher vor, die sich das Austesten der bestehenden "Normalfelder" zum Ziel gesetzt haben. Denn Normalität, zieht Thurner den Diskurstheoretiker Jürgen Link heran, sei in unserer Gesellschaft keine feste Größe mehr, sondern eine "gesellschaftlich operative, eine graduelle Kategorie" - normal sei alles, was als nicht besonders störend empfunden wird. In diesem Buch wird Normalität gänzlich in Frage gestellt und das Verhältnis schlicht umgedreht: der Ich-Erzähler begegnet einem blinden Mädchen, das sich in "seiner Welt" völlig sicher und normal bewegt. Das verunsichert den Jungen und stößt ihn aus seiner, für normal gehaltenen Welt heraus. Die gängigen Kategorien verschwimmen, ohne dass sie völlig ineinander aufgingen, so Thurner. Für sie hat der Roman deutliche Anklänge an Beckett, da der Held "förmlich aus der Rolle" fällt. Das vertauschte Rollenspiel sei raffiniert aufgezogen und die verkehrte Welt in "bewusst gedämpften "Ton und Farben geschildert, ergänzt die Rezensentin lobend. Die Differenz zwischen dem sehenden, aber sinnesverwirrten Jungen und dem blinden Mädchen würde trotz allem nicht verwischt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.03.2002

Anis neues Buch gleicht mit seinen Nahaufnahmen, Totalen, Rückblenden und harten Schnitten einem Film, wie Rezensentin Christine Knödler schreibt. Von den seelischen Verletzungen seines Helden, dem 14 Jahre alten Lukas, der von seinen Eltern unbeachtet auf der Suche nach dem wahren Leben durch die Stadt streift, erzähle Ani nur zwischen den Zeilen. Bis Lukas die ältere und blinde Sonja trifft, die ihm nicht nur im wörtlichen Sinn, sondern unter dem Einsatz aller Sinne das Leben rettet und lebenswert macht. Ein Lichtblick, wie die Rezensentin findet.
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