Franz Hohler

Gleis 4

Roman
Cover: Gleis 4
Luchterhand Literaturverlag, München 2013
ISBN 9783630874203
, 224 Seiten, 17,99 EUR

Klappentext

Eigentlich will Isabelle, die Abteilungsleiterin eines Altersheims, nur zum Flughafen, um einer Freundin in den Urlaub nach Stromboli nachzureisen. Doch dann bricht der höfliche ältere Herr, der ihr am Bahnhof zum Flughafen anbietet, ihren Koffer die Treppe zu den Gleisen hochzutragen, plötzlich tot zusammen. Isabelle muss ihren Abflug notgedrungen verschieben. Wieder zuhause in ihrer Wohnung angekommen, merkt sie allerdings, dass sie im Grunde gar nicht mehr verreisen möchte. Denn sie fühlt sich dem toten Mann verpflichtet, über den sie gerne mehr erfahren möchte. Überdies hat sie in ihrer Verwirrung am Bahnsteig versehentlich eine Mappe des Verstorbenen mitgenommen, in der sich das Handy des Toten befindet. Und während sie noch überlegt, ob sie das Telefon nicht schnellstens zur Polizei bringen sollte, fängt es plötzlich an zu klingeln …

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.05.2014

Ganz schön üppig, was Franz Hohler auf 224 hier ausbreitet, staunt Ulrich Rüdenauer, der sich zunächst in einem "Gedankenspiel über die Rolle des Zufalls in einer durchrationalisierten Welt" und dann in einem Detektivkrimi wähnt, bevor sich der kritische Rückgriff auf ein düsteres Kapitel der Schweizer Sozialpolitik herauskristallisiert. Dann entfaltet sich das Schicksal eines Jungen in den selbst in der Schweiz nicht sonderlich liberalen Vierziger- und Fünfzigerjahren, der als unehelichen Kind seiner Mutter weggenommen und als "Verdingbub" einer Bauernfamilie anvertraut, dort schikaniert und schließlich in ein schlimmes Erziehungsheim gesteckt wurde, fasst der Rezensent beeindruckt zusammen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.08.2013

Franz Hohlers neuer Roman "Gleis 4" hat bei Beatrice Eichmann-Leutenegger einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Den Auftakt des Buchs findet sie richtig packend, ihre Erwartungen an den weiteren Verlauf der Geschichte sind dementsprechend hoch. Sie hebt Hohlers Spiel mit Elementen des Kriminalromans hervor, der Text des Romans erscheint ihr wie ein Puzzle. Andererseits bleiben die Charaktere für ihren Geschmack zu wenig differenziert. Auch hätte sie sich bisweilen eine etwas lebendigere Schilderung gewünscht. Das Aufgreifen der Tragödie der Verdingkinder in dem Roman hat Eichmann-Leutenegger nicht wirklich überzeugt. Sie vermutet, dass der Autor an der Aktualität dieses Themas teilhaben wollte. Aber erreicht er nach Ansicht der Rezensentin in keiner Weise die "Eindringlichkeit eines authentischen Falls".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.07.2013

Angenehm erstaunt ist Sabine Doering von diesem Roman des Schweizers Franz Hohler gleich in doppelter Hinsicht. Erstens findet sie Hohlers sozialaufklärerische Ader im Gewand eines Kriminalromans bemerkenswert. Immerhin gelingt es dem Autor, nach einem Auftakt mit einem rätselhaften Toten im Bahnhof zur Geißelung von helvetischem Fremdenhass und eidgenössischer Engstirnigkeit zu gelangen und die schweizerische Sozialpolitik zu kritisieren. Zweitens überrascht Doering der Umstand, dass Hohlers Text ausschließlich mit weiblichen Ermittlern aufwartet und Männer überhaupt nur als Fieslinge präsentiert. Einzige Ausnahme, konstatiert Doering: der sympathische Tote.
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