Frank Schulz

Das Ouzo-Orakel

Roman. Hagener Trilogie Band 3
Cover: Das Ouzo-Orakel
Eichborn Verlag, Berlin 2006
ISBN 9783821807294
Gebunden, 545 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Bodo Morten ist nach schwerer psychischer Erkrankung und längerem Aufenthalt in einem fränkischen Sanatorium nach Griechenland ausgewandert. Dort lebt er nun seit fünf Jahren. Allabendlich gönnt er sich Geselligkeit im Freundeskreis einer kleinen Dorfwirtschaft. Sonst führt er - fern von allem - in einer abgelegenen Bucht ein asketisches Leben: viel meditieren, viel schwimmen, wenig Kleidung, kein Alkohol, keine Zigaretten, keine Frauen. Bis Monika Freymuth auftaucht. Eine Frau, die Bodo zugleich abstößt und doch dunkel fasziniert. Und an jemanden erinnert. In der Tat stellt es sich heraus, dass Monika Bodos erste Jugendliebe ist - und gerade auf der Suche nach ihrem Mann, der nach einer Ehekrise gen Griechenland geflüchtet ist. Bodo verliebt sich erneut, wehrt sich dagegen, sein Leben gerät aus den Fugen. In seiner Not wendet er sich an das Ouzo-Orakel, einen Einsiedler, bei dem auch die Einheimischen Rat suchen. Bewaffnet mit einer Fünf-Liter-Bombe Ouzo macht sich Bodo auf in die Berge. Ein grandioser Roman aus der Tastatur eines der wortgewaltigsten Autoren deutscher Zunge.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.06.2006

Das Buch gefällt Thomas Steinfeld schon, die Haltung des Autors Frank Schulz allerdings weniger. Doch das zuletzt. Zunächst einmal preist Steinfeld diesen dritten Teil einer Trilogie, dem er ein selbständiges Existenzrecht einräumt, als "luzide" und "unterhaltsam". Die Aussteigergeschichte findet er aufwändig und humorvoll, ausgestattet mit jeder Menge klassischer Zitate, die für ihn einen spannungsvollen Kontrast abgeben zu den geschilderten Verliererschicksalen. Nicht zuletzt gefällt ihm die Sprache des Autors und dessen dramaturgisches Talent. Und doch ist da etwas, das Steinfeld die Lektüre am Ende gründlich verleidet, zeigt sich eine "Dramaturgie des Volkstheaters" in Verbindung mit der gefälligen Augenzwinkerei einer "ironischen Sentimentalität", die die Story und ihre Helden laut Steinfeld nicht verdienen. Schon gar nicht von ihrem Schöpfer.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.06.2006

Sichtlich genossen hat der Rezensent Edo Reents, wie Frank Schulz im letzten Teil der Hagener Trilogie seinen hochgebildeten, nach tiefer Krise geläuterten Helden Bodo Morten vom dionysischen Prinzip in Gestalt seiner unglücklich verheirateten Jugendliebe Monika heimsuchen lässt. Zwar mag es einem zunächst leid tun, so Reents, dass Schulz als Barde des Hamburger Flachlandes seinen Helden unbedingt nach Griechenland schicken musste, doch werde der Leser für diesen scheinbaren Verlust reich entlohnt, nicht zuletzt weil Bodo Verstärkung aus der sehr provinziellen Heimat bekommt. Wohltuend findet der Rezensent, mit welcher "menschenfreundlichen Abgeklärtheit" der Autor sich "geistig anspruchslosen" Existenzen annimmt, weil er sie als durch und durch erzählenswert erachtet, und damit den Bildungsroman auf den Kopf stellt. Mehr noch, schwärmt der Rezensent, es gelingt dem Autor, Bodo zu einem reichen, reifen Mittelweg zwischen Sehnsucht und Vernunft zu führen, also die nächste Stufe nach der Romantik, "unter Wahrung der mythischen Dimension des Lebens".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.06.2006

Absolut hingerissen ist Rezensent Frank Schäfer von diesem letzten Teil der "Hagener Trilogie" von Frank Schulz. Es ist nicht nur eine grundsätzliche "stupende formale Begabung", mit der Schulz den Rezensenten bereits mit der Romankomposition begeistern kann. Auch die Dialoge des Buches bewundert er für ihren "burlesken Witz" und ihre genau ausgearbeiteten Eigenheiten. Die mythologische und literaturgeschichtliche Unterfütterung des Buches beeindruckt Schäfer schließlich mit einer Fülle von Motiven und Anspielungen. Insgesamt reißt ihn der parlandohafte Erzählstil dieses Buches - für den Rezensenten Schäferroman und Tourismusidylle in einem - tief in das Leben und Lieben von Protagonist Bodo, der als "Suffkopp" und Original in einem griechischen Dorf lebt. Selbst noch wo Bodos Liebesunfälle eher dick aufgetragen und am Rand des Kitsches beschrieben werden, findet der Rezensent es einfach großartig und fiebert "wie der naivste Rosamunde-Pilcher-Leser" mit Bodos Liebesversuchen mit. Wobei er zu seinem Leidwesen das überquellende Rezensentenherz samt des daran gebundenen Mitteilungsbedürfnisses über den Verlauf der Liebesver- und -entwicklungen immer wieder einer gewissen Rezensentendiskretion unterordnen muss.
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