Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783518225653 Gebunden, 73 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Aus dem Italienischen von Barbara Schaden. Fleur Jaeggy erzählt von opiumabhängigen, halluzinierenden und irrwitzigen schriftstellerischen Genies. Sie hausten prekär, litten an Tuberkulose, verzweifelten an der Wirklichkeit. Sie waren Visionäre, Träumer, Genies - und hochgradig opiumabhängig. Sie experimentierten mit Lachgas, aßen rohes Fleisch, um "prachtvolle Träume" herbeizuführen, wähnten sich unter den Inkas und von "blauen Teufeln" umringt, glaubten, vergiftet worden zu sein, reisten Robert Louis Stevenson hinterher, und was sie suchten, blieb ihnen meist verborgen. Thomas De Quincey, John Keats, Marcel Schwob: Fleur Jaeggy legt mit "Mutmaßliche Leben" drei biografische Skizzen von Schriftstellern vor, denen die Welt viel zu winzig schien und die mit ihren Texten und ihren Spleens die Grenzen des Denkbaren sprengten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.02.2026
Für die Rezensentin Leonie Wagner ist Fleur Jaeggy im besten Sinne eine literarische Unruhestifterin: Nur wenige Sätze braucht sie, um in diesem Essaybändchen die Leben ihrer Schriftstellerkollegen Marcel Schwob, John Keats und Thomas de Quincey zu schildern, zu verdichten, heraufzubeschwören. Schon 2009 ist der Band im italienischen Original erschienen, weiß Wagner, die in den drei Essays weniger eine Ansammlung biografischer Daten vorfindet, als vielmehr intensive Texte über das Leben und all seine Seltsamkeiten selbst. Über den Opiumsüchtigen Quincey weiß sie: "Das Glück scherzte mit ihm", über Schwob: "Was er suchte, fand er nicht" - mal distanziert, wie die Kritikerin meint, mal mit beängstigender Lebendigkeit. Ein kurzer Band, der bei ihr eine Menge auslöst.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.02.2026
Rezensentin Leonie C. Wagner staunt und schaudert bei der Lektüre von Fleur Jaeggys Schriftsteller-Essays, erschienen bereits 2009 und nun mit reichlich Verspätung ins Deutsche übersetzt. Ganz schön hart, wie die Schweizer Schriftstellerin und Meisterin der Kürze auch hier drei Leben stellenweise geradezu einstampfe: Biografiert werden in drei Essays Thomas de Quincey, John Keats und Marcel Schwob; letzterer bekommt gerade mal 12 Seiten. Der Aussagekraft tut das keinen Abbruch, lobt Wagner: meisterhaft lasse Jaeggy in Beschreibungen alltäglicher Details das ganze Leben aufscheinen. Fasziniert ist Wagner auch vom rasanten Wechsel zwischen szenischer Immersion - "als löffelte man selbst Thomas de Quinceys angebrannten Haferbrei" -, und distanzierter, berichtartiger Kälte in den Beschreibungen. Toll findet die Kritikerin das aber allemal; ins Blickfeld gerate so weniger die Einsamkeit, Verlusterfahrung und vor allem: die Drogensucht der drei Porträtierten, sondern vielmehr die "Skurrilität" und die "Kürze" des Lebens - und, ein weiteres Mal, die schriftstellerische Brillanz Jaeggys, für die Wagner sich noch mehr Anerkennung auch in Deutschland wünscht.
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