Cave 72
Roman

Lenos Verlag, Basel 2025
ISBN
9783039250431
Gebunden, 212 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Aus dem Französischen von Christiane Kayser. Cave 72, eine kleine Bar in Brazzaville, ist ein beliebter Treffpunkt. Sie gehört Mâ Vouala, von allen Maman Nationale genannt. Ihre Bar ist im Lauf der Zeit zu einem Zufluchtsort für alle geworden, die gern bei einem Bier über Gott und die Welt, die Liebe und den alltäglichen Wahnsinn diskutieren. Auch Verdass, Ferdinand, Didi und Stephan, verschworene Freunde, treffen sich jeden Abend in der Cave. Eines Tages wird ein finsteres Komplott geschmiedet. Mit einem perfiden Plan gelingt es dem Regime, die nichtsahnenden jungen Männer und Maman Nationale terroristischer Umsturzpläne zu beschuldigen und zu verhaften. Doch es regt sich Widerstand, das Land gerät in Aufruhr. Fann Attiki zeichnet ein bitterböses Porträt eines korrupten, patriarchalischen Machtapparats, der für die gutausgebildete junge Generation keine Zukunftsmöglichkeiten offenhält.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.07.2025
Dieses Buch zeigt dem Rezensenten Hans Christoph Buch die ganze Vitalität afrikanischer Literatur, die es nach wie vor noch zu entdecken gilt. Es spielt in der Republik Kongo, beziehungsweise Kongo-Brazzaville, einem unter Militärdiktatur leidenden Staat, die drei Hauptfiguren heißen Ferdinand, Didi und Verdass, die nicht über Politik, sondern lieber über Literatur - unter anderem über Roland Barthes - diskutieren und zwar in einer Kneipe, die von einer Wirtin namens Maman National geführt wird. Ironischerweise geraten die drei gerade aufgrund ihres Desinteresses an Politik ins Zentrum einer Verschwörung, die von paranoiden Behörden ausgeht, ihnen wird die Beteiligung an einem Komplott vorgeworfen, das Ganze mündet schließlich in Hinrichtungen, aber auch in einem Volksaufstand. Im atemlosen Stil ist dieses tolle Buch geschrieben, meint Buch, der Vergleiche anstellt mit der lateinamerikanischen Literatur: Er hofft, dass der afrikanischen Literatur eine ähnliche Karriere bevorstehen könnte.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 06.03.2025
In biblische Dimensionen legt Fann Attiki seinen Roman laut Rezensentin Dina Netz an, wobei der Horizont dieser Erzählung über politische Korruption nicht Schöpfung, sondern Vernichtung sei. Die teils etwas unübersichtliche Handlung dreht sich um vier junge Männer, die ein Lotterleben führen und deshalb ins Visier eines übereifrigen Beamten geraten, der auf Teufel komm raus Umstürzler ausfindig machen will. Außerdem spielt der Mordanschlag auf einen Minister eine Rolle: Die vier Männer beginnen, über den Fall zu recherchieren und kommen einer Intrige zumindest nahe, die viel mit verletzter männlicher Eitelkeit zu tun hat, so die Kritikerin. Das ist lustig und bissig geschrieben, freut sie sich, auch wenn ihr die vor allem zu Beginn arg überschwängliche, überfrachtete Sprache Attikis nicht gar so sehr zusagt. Doch sobald die Handlung Schwung aufnimmt, gerät auch die Lektüre flüssiger, lobt die insgesamt vom Buch überzeugte Rezensentin.