"Scheiblettenkind", "Schmuddelkuh", "Assitussi" - das sind nur einige der Schimpfwörter, die sich Eva Müllers Protagonistin immer wieder in ihrer Jugend von Gleichaltrigen anhören musste. Schimpfwörter, mit denen sie, die nicht aus privilegierten Verhältnissen stammt, ausgegrenzt wurde und die sie auf ihren Platz verweisen sollten. In dieser autofiktionalen Graphic Novel erzählt sie ihre Geschichte und die Geschichte ihrer Familie. Sie erzählt in klaren, kraftvollen, eindrücklichen Bildern von erstaunlich ästhetischer Vielfalt über die bäuerliche Herkunft der Großeltern, vom westlichen Arbeitermilieu der Eltern, über das Aufwachsen in Unbildung und Armut, über soziale Scham, den Gestank von Frittierfett, über ihre Billigklamotten mit albernen Aufnähern, ihre Entfremdung von ihren Ursprüngen und schließlich ihre Emanzipation als Künstlerin - und mit dabei ist immer die Schlange Selbstzweifel, die unabhängig von ihrem Erfolg bis heute nicht von ihrer Seite weichen will.
Rezensentin Paula Marie Kehl findet bewundernswert, wie offen Eva Müller in ihrer Graphic Novel von internalisierter Scham erzählt. Das autofiktionale Werk begleitet eine in der unteren Mittelschicht aufgewachsene junge Protagonistin, die von der Familie keine kulturelle Bildung erfährt, sich mit schlechten Nebenjobs am Fließband oder in der Frittenbude durchschlägt. Müllers geradliniger Stil mit "groben Zeichnungen und satten Bildern" weise dabei klar auf die Zustände in Deutschland und den immer noch herrschenden "Klassismus" hin, so die Kritikerin anerkennend. Besonders beeindruckend scheint sie die Schlange zu finden, mit der Müller die Scham ihrer Protagonistin zeichnerisch in Szene setzt - das Tier schlängelt sich immer um sie, wenn sie sich unterlegen fühlt. Auch die Zeichnungen von Karl Marx am Ende jedes Kapitels, der sich in unterschiedlichen Situationen - beim Zugfahren oder Yogamachen - zum Erzählten äußert, scheinen der Kritikerin zu gefallen. Ein Werk, dessen Darstellung sozialer Ungerechtigkeit "kaum auszuhalten" und daher umso wichtiger sei, lobt Kehl.
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