Das Buch lädt ein, den Geheimnissen Goethes anhand von selbst gestreuten Hinweisen schrittweise nachzugehen. So gibt es in seinem Leben ein Zentrum, das den Großteil seiner Dichtung durchstrahlt: die starke Bindung an eine Frau. Ihr Tod stürzte ihn in jungen Jahren in Verzweiflung und Schuldgefühle, bis er endlich Beruhigung fand in ihrer lebenslangen Feier und, wie er gewiss war, in von ihr empfangenen Zeichen. Sein eigener Unsterblichkeitsglaube fand so Bestätigung, indem er "Sie" - Neuplatoniker, der er war - als Abglanz göttlicher Wahrheit erlebte. Dies behielt er für sich. Da er sich aber als Glied einer Reihe "wiederholter Spiegelungen" in Einklang wusste mit Dichtern der Vergangenheit, mit Dante, Petrarca oder Hafis und ihren ähnlichen Geschicken, offenbarte er sich im Sinne des von ihm gerühmten Analogiedenkens. Zudem gab er vielfältige größere und kleinere "Schlüssel", um "Rätsel" der Dichtung zu lösen. Solch ein Schlüssel, die Trilogie der Leidenschaft, öffnet Wege rückwärts und vorwärts durch das Werk.
Ein Buch wie dieses, leidenschaftlich und unorthodox, ist in der Goetheforschung so selten, dass dem Rezensenten Rolf Vollmann nur ein Vergleich einfällt: Kurt R. Eisslers 1963 in den USA veröffentlichte psychoanalytische Studie über Goethe. Eissler, Psychoanalytiker, hatte die These aufgestellt, Goethe sei seiner Schwester Cornelia, die 26-jährig starb, in inzestuöser Liebe verfallen gewesen und erst von Charlotte von Stein erlöst worden. Eva Hoffmann sieht das ähnlich - doch glaubt sie nicht, dass Goethe sich jemals von Cornelia gelöst hat. Immer wieder findet und beschreibt sie Hinweise in Goethes Werk auf die geliebte Cornelia, bis der Rezensent nach Luft schnappend begreift: So war es wirklich.
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