Tobias Knopp unterzieht sich einer Operation, die tragischerweise missglückt. Der zur Rechenschaft gezogene Chirurg streitet alles ab und belastet seinerseits den Patienten, bloß zu simulieren. In seinem neuen Buch spielt Ernst Augustin den anschließenden Gerichtsprozess durch. Es ist das Protokoll der Verteidigung eines monströsen Bluttäters, der aus Gründen verletzten Ehrgefühls auf das Schrecklichste überreagiert. Die Verteidigungsschrift. Die allerdings in einigermaßen verbohrter Gerechtsamkeit sich selbst im Wege steht und für den Fall wenig förderlich ist. Hier scheint ein Verteidiger seine eigene Verteidigung zu verteidigen. Er vollbringt das Kunststück, das vermeintliche Monster überhaupt erst zum "Monster" zu machen. Es ist eine Idylle, eine Gerichtsprozessidylle.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.08.2015
Eigentlich bewundert Rezensentin Katrin Hillgruber den inzwischen 87-jährigen Autor Ernst Augustin für seine Kunst der "traumhaften Ambivalenz" und seine bildgewaltige Sprache. Leider muss sie in seinem neuen Roman "Das Monster von Neuhausen" aber feststellen, dass diese Qualitäten zu kurz kommen. Denn die Geschichte um Tobias Knopp, dem ein Hirnchirurg bei einer Operation versehentlich den Sehnerv durchtrennt und der Rache an dem Professor nimmt, ist zu sehr an Augustins eigenes Schicksal angelehnt - so dass sich die Rezensentin hier vor allem auf die schwerwiegende Realität des Romans fokussiert. Und so liest sie die an Schillers "Verbrecher aus verlorener Ehre" oder an Kleists "Michael Kohlhaas" erinnernde Erzählung zwar ebenso bedrückt wie mitleidend, vermisst aber insbesondere die für Augustin typische "Frappanz" erfundener Lebensläufe.
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