Endzeit Europa

Ein kollektives Tagebuch deutschsprachiger Schriftsteller, Künstler und Gelehrter im Ersten Weltkrieg.
Cover: Endzeit Europa
Wallstein Verlag, Göttingen 2008
ISBN 9783835303478
Kartoniert, 430 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Peter Walther. Über 500 Briefe und Tagebucheinträge zeigen, wie deutschsprachige Schriftsteller, Publizisten, Philosophen, Musiker und bildende Künstler den Ersten Weltkrieg erlebt haben.Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung vom 9. November 2008 bis 8. Februar 2009 im Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum Schloss Rheinsberg."Herrlich" findet Stefan Zweig die deutschen Siege, "wenn ich ein Mann wäre, ging ich gerne mit", bekennt Ricarda Huch, und Käthe Kollwitz hisst beim Fall von Antwerpen die schwarz-weiß-rote Fahne. Wie sich die Schriftsteller und Künstler öffentlich zum Krieg verhalten haben, ist bekannt. Wie aber haben sie die Zeit privat erlebt und reflektiert?In den Briefen und Tagebucheinträgen wird das Geschehen während des Ersten Weltkriegs und der Revolution von 1918 Tag für Tag aus der privaten Perspektive von über 100 deutschsprachigen Schriftstellern, Publizisten, Philosophen, Musikern und bildenden Künstlern geschildert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.02.2009

Wie war das mit der Kriegsbegeisterung deutscher Künstler und Intellektueller anno 1914? Ein differenziertes Bild kann sich Christoph Jahr nun anhand der von Peter Walther herausgegebenen, "geschickt" zueinander in Beziehung gesetzten Tagebuchaufzeichnungen und Korrespondenzen machen. Als Versuche verzweifelter Sinngebung deutet Jahr die Texte und staunt über die Wandelbarkeit der Ansichten über den Krieg von Zeitgenossen wie Thomas Mann und Hermann Hesse. Dem im Band enthaltenen Original-Bildmaterial eines deutschen und eines französischen Kriegsfotografen merkt Jahr den Hang zur planvollen Idyllisierung deutlich an.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.12.2008

Rezensent Harry Nutt findet sehr interessant, was Herausgeber Peter Walther hier als "kollektives Tagebuch nach dem Prinzip von Walter Kempowski" zusammengetragen hat. Klar zutage trete, wie sich die Einstellung von "Künstlern und Intellektuellen", die den Ersten Weltkrieg zunächst als "ästhetischen Aufbruch" empfunden hatten, wandelte. Besonders begeistert ist Nutt jedoch nicht von den schriftlichen Dokumenten, sondern von den erstmals veröffentlichten Farbfotos des Fotografen Hans Hildenbrand. Diese realistischen und doch offensichtlich inszenierten und malerisch wirkenden Dokumente des Kriegsalltag sind seiner Meinung nach nicht weniger als eine "kleine Sensation".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 29.11.2008

Rezensent Christian Semler findet die Zusammenstellung von Dokumenten, in denen sich Zeitzeugen zum Ersten Weltkrieg äußern, im Wesentlichen gelungen. Sinnvoll findet er etwa, dass sich der Herausgeber Peter Walther auf Dokumente beschränkt, die nicht im Nachhinein von ihren Autoren überarbeitet wurden. Das Spektrum der vorgestellten Stimmen vermittelt nach Semlers Ansicht einen guten Eindruck, von der "zwiespältigen Haltung Gerhart Hauptmanns? über Stimmen "obstinater Kriegsverherrlicher? bis zur eindeutig ablehnenden Haltung, wie sie zum Beispiel Karl Liebknecht vertrat. Besonders interessant findet der Rezensent das Tagebuch des "genau beobachtenden Konservativen? Kurt Riezlers. Allerdings bemängelt Semler, dass Walther in diesem Zusammenhang nicht auf die bisweilen geäußerten Zweifel an der Echtheit von Riezlers Aufzeichnungen hinweist. Und er bemerkt schließlich, dass man bei der Lektüre noch eigene Recherche betreiben muss, denn über den Kontext dieser Dokumente erfährt man in dem Band wenig.
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