Elisa Klapheck

Zur politischen Theologie des Judentums

Cover: Zur politischen Theologie des Judentums
Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2022
ISBN 9783863931452
Gebunden, 242 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Elisa Klapheck sucht nach den politischen Implikationen der jüdischen Theologie. Im Zentrum des Politischen steht das gewandelte Verhältnis des Menschen zu Gott. Die ersten Geschichten der Bibel präsentieren Gott noch als Despoten, der eine unbeschränkte Theokratie verlangt, während er sich später als politischer Partner des Menschen selbst an Rechtsnormen bindet. Bereits im ersten Bund mit Noah ist eine Garantie des künftigen Willkürverzichts Gottes gegenüber seinen Geschöpfen zu erkennen.Dann wiederum beschreibt die Tora die Entstehung von Rechtsverhältnissen zwischen den Menschen. Die jüdische Version der polis ist dabei der kahal, dessen Ausweitung über die einzelne Gemeinde hinaus - anders als in der griechisch-römischen Tradition - nicht zu einer vereinheitlichenden Staatsbildung führt, sondern zur dezentralen politischen Wirklichkeit der Diaspora. In die wechselhafte gesellschaftliche Realität muss Gott immer wieder neu integriert werden. Die talmudische Tradition fordert die tätige Selbstkorrektur des Menschen und führt nicht zu einer Relativierung des göttlichen Rechts, sondern zur Bestätigung der Tora als gesetzlicher Maßstab. Kennzeichnend für die religiös-säkulare Spannung des (rabbinischen) Judentums wird der produktive Konflikt mit Gott, der die jüdische Tradition zu einer Theologie der säkularen Gesellschaft weiterentwickelt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.04.2023

Ein "Plädoyer für Vielfalt und Diskurs" liest Rezensentin Theresa Weiß mit dem Buch der Rabbinerin Elisa Klapheck, die in sieben Essays über das politische Verständnis in der Hebräischen Bibel untersucht. Ein "Buch für Feinschmecker", meint die Rezensentin, manche Diskussionen mögen für den ein oder anderen etwas "alltagsfern" erscheinen, aber die Lektüre lohnt sich: Die Rezensentin gewinnt erhellende, philosophische Einsichten in theologische Themen, auch durch Klaphecks erfrischend neue Interpretationen des Alten Testaments. So sieht die Autorin Eva beispielsweise vielmehr als "Verwirklicherin von Freiheit", denn als Erbsünderin, so die Kritikerin. Interessiert liest sie auch wie Klapheck ihren Text um eine politische Perspektive erweitert und ihre Ergebnisse für aktuelle Themen fruchtbar macht. Diese Lesart der Bibel ist aufgeklärt und modern, freut sich Weiß, und schaffe ein Bild von der jüdischen Tradition, mit der man sich auch als "Nichtjude" identifizieren könne.

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