Aus dem Indonesischen von Martina Heinschke. Die Erzählung beginnt mit der Nachricht von einem brutalen Mord. Margio, ein stiller Junge, zwanzig Jahre alt, als Treiber bei der Wildschweinjagd allseits geschätzt, hat überraschend seinen Nachbarn getötet, nicht mit einer Waffe - er hat ihm vielmehr die Kehle durchgebissen. Der Roman kreist um die Hintergründe der Tat. Sprachlich präzise, dicht und mit ungewöhnlichen Metaphern lässt Eka Kurniawan Margios Welt entstehen: schwierige Familienverhältnisse, die Beziehungen zwischen den Nachbarn, die Bindung an die Großeltern, Margios Geschick bei der Jagd, die Unsicherheiten der ersten Liebe. Der Roman bietet eine überzeugende soziale und psychologische Darstellung, wobei der Rekurs auf den Tigermythos ein magisches Element einflicht und mit deren Grenzen spielt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.03.2016
Diese "Meisterwerk" sollte man unbedingt lesen, jubelt Rezensentin Katharina Borchardt nach der Lektüre von Eka Kurniawans Roman "Tigermann". Denn die Geschichte um Margio, der mit dem Hass auf seinen gewalttätigen Vater aufwächst und dessen Wut sich schließlich Bann bricht, als er dem Nachbarn die Halsschlagader durchbeißt, ist nicht nur unglaublich spannend, sondern auch klug und "grotesk" witzig erzählt, betont die Kritikerin, die auch Kurniawans scharfes Gespür für historische Hintergründe lobt. Vor allem aber bewundert Borchardt die Kunst des indonesischen Autors, das Denken und Erleben seiner Figuren, besonders der weiblichen, mit außergewöhnlicher Genauigkeit und Feinfühligkeit zu schildern. Großartig auch, wie Kurniawan Volksmythen mit psychologischen Metaphern verknüpft und die hinduistischen und islamischen Hintergründe beleuchtet, lobt die Rezensentin, die auch mit Martina Heinschkes Übersetzung sehr zufrieden ist.
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