Mit einem Nachwort von Uwe Timm. Die eine: sanftmütig, nobel und fein, eine Seele von einer Frau; die andere: geheimnisvoll, sinnlich und sündhaft schön, eine Künstlernatur par excellence - wie soll sich der leichtsinnige Günther von Tarniff zwischen Beate und Mareile entscheiden können? Was zwangsläufig hieße: Entsagung üben, und damit just das, wofür er so gar kein Talent hat. Eine allein ist ihm zu wenig, beide zusammen bringen ihn um den Verstand. Er weiß es und kann doch nicht anders. Die Geschichte endet im Desaster menschlichen Unvermögens, dem brennenden Herzen Mäßigung zu gebieten. 1903 erschienen, begründete dieser baltische Schlossroman den Ruf des Autors. Die Feinheit, mit der der Anti-Nostalgiker Keyserling darin moderne Seelennöte ausmalt, weist ihn als Stilisten vom Range eines Tschechow aus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.12.2013
Vor diesem nun in einer Neuausgabe vorliegenden, 1903 entstandenen Roman von Eduard von Keyserling warnt uns Gerhard Schulz insofern, als der Titel dem Leser vermitteln könnte, es handle sich um eine gemütliche Schlossgeschichte im Stil Fontanes. Dem ist nicht so, erläutert der Rezensent. Es geht um Stand und Geschlecht in diesem Text, um soziale Komplikationen, die laut Schulz schon bald "grimmige" Konsequenzen, den Hauch der Tragödie erhalten. Wagner tönt im Hintergrund. Förderlich für das Verständnis der Geschichte war dem Rezensenten übrigens das den Band beschließende Nachwort Uwe Timms.
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