Donna Tartt

Der Distelfink

Roman
Cover: Der Distelfink
Goldmann Verlag, München 2014
ISBN 9783442312399
Gebunden, 1024 Seiten, 24,99 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Rainer Schmidt und Kristian Lutze. Es passiert, als Theo Decker dreizehn Jahre alt ist. An dem Tag, an dem er mit seiner Mutter ein New Yorker Museum besucht, verändert ein schreckliches Unglück sein Leben für immer. Er verliert sie unter tragischen Umständen und bleibt allein und auf sich gestellt zurück, sein Vater hat ihn schon lange im Stich gelassen. Theo versinkt in tiefer Trauer, die ihn lange nicht mehr loslässt. Auch das Gemälde, das seit dem fatalen Ereignis verbotenerweise in seinem Besitz ist und ihn an seine Mutter erinnert, kann ihm keinen Trost spenden. Ganz im Gegenteil: Mit jedem Jahr, das vergeht, kommt er immer weiter von seinem Weg ab und droht, in kriminelle Kreise abzurutschen. Und das Gemälde, das ihn auf merkwürdige Weise fasziniert, scheint ihn geradezu in eine Welt der Lügen und falschen Entscheidungen zu ziehen, in einen Sog, der ihn unaufhaltsam mit sich reißt ...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.04.2014

Donna Tartts Roman trifft genau ins Herz der Rezensentin. Allerdings auf zwei unterschiedliche Weisen. Einmal mit einem ausschweifenden Plot aus Kunst, Rausch, Betrug, Tod, mit rasanter Dramaturgie, Tarantino-Showdown und "irrem" Happy End. Mit fetzigem Stil in bester amerikanischer Erzähltradition, der Sabine Vogel so glaubwürdig erscheint, weil sie meint, die Autorin stecke direkt selbst in all dem. Dann aber auch, auf weniger angenehme Weise, durch überstrapazierte Klischees, Wortmüllkitsch und "ernüchternd schlicht" ins Ziel abgeschossene Unterhaltung.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.04.2014

Angela Schader lässt die Kirche im Dorf. Natürlich hat auch sie Donna Tartts gehypten Roman "verschlungen wie ein üppiges Büffet" und ist dem Jungen Theo, der seine Mutter bei einem Anschlag auf das New Yorker Metropolitan Museum verliert, auf seiner Odyssee durch die verschiedensten Lebensstationen gefolgt, von der New Yorker Upperclass über tablettensüchtige Zocker in Las Vegas bis zu grundanständigen Möbelrestauratoren zurück in New York. Gusto und Geschick attestiert die Rezensentin der Autorin bei der Zeichnung der Milieus. Doch wenn es um den eigentlich Plot geht, die Suche nach dem ominösen Gemälde, das ihm bei dem Anschlag anvertraut und später entwendet wurde, dann steigt Schader aus. Hier fehle Tartt einfach die erzählerische Kraft, dem Gemälde den nötigen Glanz zu geben, und sie gleite in absurde Kapriolen ab. Wenn es um Kunst, Besitz und Fälschung geht, empfiehlt Schader William Gaddis' Roman "Die Fälschung der Welt".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.04.2014

Donna Tartts neuer Roman hat Thomas Winkler gepackt und nicht mehr losgelassen. Der jetzt in deutscher Übersetzung vorliegende 1000-Seiten-Wälzer hat in den USA für Begeisterung gesorgt - nach Ansicht des Rezensenten völlig zu Recht. Auch er ist ganz eingenommen von dem Werk, das die verschlungene Geschichte Theodore Decker erzählt, der als 13-Jähriger bei einem Bombenattentat in einem Museum seine Mutter verlor. Die Odyssee des Protagonisten, der orientierungslos durch sein Leben treibt, scheint Winkler geradezu meisterhaft verwebt mit "psychologischen Fragen" und "moralischer Wertediskussion". Auch angesichts des epischen Aufbaus des Werks und des präzisen Blicks der Autorin auf soziale Sachverhalte fühlt er sich an die Werke von Dickens, ein erklärtes Vorbild von Tartt, erinnert. Das Fazit des Rezensenten: ein großer Roman, der die großen Fragen stellt und einen Sog entwickelt, dem man sich nicht entziehen kann.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.03.2014

Thomas Kirchner will gar nicht herumnörgeln an diesem "grandiosen" Roman. Donna Tartt hält er für eine ganz der ganz Großen der amerikanischen Literatur. Dass sie bei uns kaum einer kennt, führt er auf Tartts Scheuheit zurück. Mit dem Buch ist es Kirchner ergangen wie mit einem Entwicklungsroman des 19. Jahrhunderts: Üppig besetzt, voller Suspense, Wendungen, Milieu, Gegensätze und Leitmotive, bezaubert ihn das Buch durch einen raffinierten Plot (um die Initiationen eines jungen Halbwaisen), klug eingesetzte Tempowechsel, gut ausgeleuchtete Nebenfiguren und eine frische, reiche Sprache. Nur dass ein kunstinteressierter deutscher Millionenerbe den Namen Horst verpasst bekommen hat, stört Kirchner ein wenig: "Solche Typen heißen Christian oder Philipp."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.03.2014

Zehn Jahre hat Felicitas von Lovenberg auf Donna Tartts neuen Roman gewartet, und das Warten hat sich offenbar gelohnt, denn für die Rezensentin ist "Der Distelfink" nicht weniger als ein "Meisterwerk". Die Kritikerin taucht hier in ein dicht gewebtes Netz aus "Anspruch, Unterhaltung, Intellektualität und Spannung" und fragt sich ob sie einen Bildungs- oder doch vielmehr einen Kriminalroman liest. Sie folgt der Geschichte Theodore Deckers, der im Alter von 13 Jahren seine Mutter bei einer Explosion im Museum verliert und das gerade betrachtete Bild eines Rembrandt-Schülers, den "Distelfink", im Eifer des Gefechts mitnimmt. Der erste Teil des Roman, in dem der kleine Theo von Psychologen zu Pflegeeltern weitergereicht wird, erscheint der Kritikerin als brillante Charakterstudie, während sie dem zweiten Teil, in dem Theo sich vergeblich von dem Bild befreien will, insbesondere deshalb fasziniert folgt, weil es Tartt gelinge, den Diebstahl des Bildes zu einem Motiv des Trostes durch Schönheit, der Erkenntnis und des nahezu fetischistischen Entzückens zu machen. Und dass sie mit ihrer Sprache darüber hinaus auch noch die Wirkung des barocken Gemäldes erreicht, ringt der Rezensentin höchste Anerkennung ab.
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