Dietmar Dath

Sämmtliche Gedichte

Roman
Cover: Sämmtliche Gedichte
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2009
ISBN 9783518421109
Gebunden, 283 Seiten, 22,80 EUR

Klappentext

Ein Dichter will beweisen, daß Politik, Wissenschaft, Kunst nur dann zu etwas führen, wenn sie den Vorrang der Poesie anerkennen. Sein Gegenspieler will beweisen, dass es die Poesie gar nicht gibt. Dietmar Daths neuer Roman erzählt von der Jagd auf Wörter, die traurig oder glücklich machen können. Adam Sladek ist der Held dieses Romans, ein erfolgreicher Dichter, wenn auch mit einem recht enigmatischen Werk. Eine Auftragsarbeit führt ihn in die Tiefen der griechischen Mythologie und der spätantiken Dichtung. Als Bezahlung verspricht sein Auftraggeber, ein schwerreicher Philanthrop, nicht nur einen Haufen Geld, sondern obendrein eine Gesamtausgabe der Sladekschen Gedichte. Und die Arbeitsbedingungen sind gut: In Luxus und Abgeschiedenheit wird Sladek während seiner Studien nur die beste ästhetische Kost vorgesetzt - Filme, Fotografien, Bücher. Stutzig macht ihn die eine oder andere Erscheinung. Ist die junge Jägerin, die ihm begegnet, eine Reinkarnation der berühmten waghalsigen Fliegerin Amelia Earhart (wie sie selbst zu glauben scheint) oder ein Avatar der Göttin Artemis? Der Verdacht wächst, dass hinter der Auftragsarbeit eine ganz andere Absicht steckt. Und hinter dem Auftraggeber eine Macht, die Sladek in Lebensgefahr bringt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.12.2009

Alle Mühe hat Samuel Moser schon in seiner gar nicht so kurzen Besprechung dieses neuen Dath-Romans, die Handlung bzw. die verschiedenen Handlungsebenen des Werks halbwegs vorzustellen und zu sortieren. Um einen Dichter namens Sladek geht es, allerdings taucht ein Autor namens Dath im Roman selbst ebenfalls auf. "Sämmtliche Gedichte" ist der Titel eines Buchs (von Sladek) im Buch gleichen Titels (von Dath). Im Buch wird Sladek entführt in eine ständig gestaltwandelnde Villa, in der irgendwann auch die Fliegerin Amelia Earhart einen Auftritt bekommt. Eine klare Genre-Zuordnung des ganzen ist, so Moser, vollkommen unmöglich, seine Aufzählung möglicher Etiketten reicht von "Mythos" bis "Märchen", aber "Bildungsroman" und "Fantasy" passen auch. Der Rezensent hatte am "hemmungslosen Eklektizismus" des Buchs sichtlich seine Freude: dass es sich um eine einfache Lektüre handelt, vermutet man am Ende der Rezension freilich nicht.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.10.2009

Dietmar Dath kann einfach nichts falsch machen, für jedes Buch - er produziert ein bis zwei pro Jahr - liegen ihm die Rezensenten zu Füßen. So auch Wiebke Porombka. Diesmal kombiniert der selbst erklärte Marxist seinen Materialismus offenbar mit einer ordentlichen Portion Romantik, und einem Glauben an die Kraft der Literatur, den auch die Rezensentin nach der Lektüre beseelte. Sie sieht mit dem Buch immerhin  den Beweis über die "subjektverwandelnde Potenziale" der Literatur angetreten - ob Dath ihn auch erbringt, sagt sie allerdings nicht. Rein handlungstechnisch geht es um einen Lyriker, der von einem üblen Millionär in einem obskuren Experiment zur "lyrischen Stammzelle für künftiges optimiertes menschliches und literarisches Material" gemacht werden soll, wobei auch ein Autor namens Dietmar Dath ins Spiel kommt, wie Porombka erzählt. Der Rest ist Emphase: witzig und irrwitzig sei dieses Buch, "grandios herumwirbelnd", leidenschaftlich, manchmal herrsche auch ein pathetisch märchenhafter Ton, und schließlich glaubt die Rezensentin gar, "die Romantiker würden, wenn sie könnten, bittersüße Tränen weinen, dass sie Dietmar Dath noch nicht zu ihrem Kreis zählen durften".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2009

Dietmar Daths neuen Roman preist Jutta Person trotz aller Lektüreanstrengung als "erfrischend durchgeknallt". Die Handlung, so lässt die Kritik vermuten, ist ziemlich verwickelt: Ein Millionär bezahlt einen Dichter namens Adam Sladek dafür, einen Lyrikband zu verfassen, wobei er ihn gleichzeitig zum Teil eines "sprachtheoretischen und biopolitischen" Versuchs macht. Unterstützt wird er dabei von einer Figur mit Namen Dath, mit dem zusammen er "intelligente Materie" schaffen will, müht sich die Rezensentin zu vermitteln. Daneben treten jede Menge weitere zum Teil aus dem Dath'schen Werk wohlbekannte Figuren und Themen auf, die im gewohnten Namen- und Theorienrausch auf die Leser einströmen. Ganz neu ist dafür die griechische Mythologie, die in diesem Roman neben allerlei "lyrischer Formexperimente" zum Einsatz kommt, stellt Person fest. Hier allerdings sieht sie einen heiklen Punkt berührt, denn die gekauften Lyrikergüsse, die dem Dichter Sladek aus der Feder rinnen und die der Autor in voller Länge mitteilt, sind für die Rezensentin kaum auszuhalten. Sollte Dath damit unter Beweis stellen wollen, dass wahre Lyrik mehr als die Verkündung einer "Botschaft" ist, so ist es ihm zwar gelungen. Das allerdings geht eindeutig auf Kosten des Romans, moniert die Rezensentin, die ansonsten von dieser "irrwitzigen Geschichte", ganz begeistert ist.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.10.2009

Dietmar Dath hat in den letzten zehn Jahren elf Bücher zwischen gut 200 und knapp 1000 Seiten vorgelegt. Einige Rezensenten haben ihn als Genie gefeiert, andere, sichtlich genervt, so reagiert wie Rezensent Thomas E. Schmidt auf das neueste Werk "Sämmtliche Gedichte": viele Ideen, viel Wissen, aber keine Form. Die ganze Ambition, die Dietmar Dath in sein neues Buch gesteckt hat, endet im mainstreamigen Diskurskonsens und scheitert auch sprachlich, klagt Schmidt. Er sieht nur einen "pedantischen Fackelzug alter Ideen": ein bisschen romantische Ironie-Theorie, leichte Zweifel an der Autorenschaft, man blickt kurz in Sloterdijks Menschenzoo – eben all der "pseudophilosophische Scheiß der letzten Jahre" werde hier noch mal zum Ereignis aufgemotzt, lande dann aber doch nur "in der Nähe einer irgendwie beunruhigten politischen Korrektheit". Ganz am Ende fährt der Rezensent aber doch noch einen strafmildernden Umstand auf: das Buch weiß, wo es versagt, aber letztendlich ist das für Schmidt auch kein Trost: "Feuilletonessay-Literatur", stöhnt der rezensierende Feuilletonist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.09.2009

Fast durchweg beschränkt sich Friedmar Apel in seiner Rezension des neuen, nunmehr elften Romans von Dietmar Dath auf die Nacherzählung - oder vielleicht sollte man sagen: Nachkonstruktion des Werks. Denn eine Geschichte im schlichten Verstand gibt es hier offenbar nicht. Sondern eine Verschachtelung, die sich eiligen Schritts in den Spuren des frühromantischen Universalpoesieprojekts bewegt. Und damit den bewusst maßlosen Versuch unternimmt, was in Disziplinen und Welten getrennt ist, wieder in Verbindung zu setzen, so der Rezensent. Die Erzählanordnung ist deshalb naturgemäß kompliziert: So tritt etwa ein Autor mit Namen Dietmar Dath auf (der keine Romane mehr schreiben will), aber auch eine Figur mit Namen Adam Sladek, die die bisherigen Romane dieses Dath sehr gut kennt. Und dann gibt es da noch einen Colin Kreuzer, der mit Sladek ein Experiment unternimmt, das diesen als Dichter aus dem Geist des 18. Jahrhunderts umprogrammiert. Nicht unterschlagen werden darf, weil die Liebe, wie immer bei Dath, eine wichtige Rolle spielt, eine Malerin namens Johanna. So weit, so kompliziert. Mit seiner Meinung zum Ganzen rückt der Rezensent am Ende aber auch noch heraus: "Humorvoll" und "melancholisch" wie nie findet er Dath in diesem Roman, den er ganz offensichtlich zur Lektüre nur empfehlen kann.
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