Dieter Borchmeyer, Ami Maayani, Susanne (Hrsg.) Vill

Richard Wagner und die Juden

Cover: Richard Wagner und die Juden
J. B. Metzler Verlag, Stuttgart, Weimar 2000
ISBN 9783476017543
Gebunden, 354 Seiten, 34,77 EUR

Klappentext

Im Festspielsommer 1998 haben sich in Bayreuth zum erstenmal international renommierte Wagnerforscher aus Deutschland, Israel und den USA getroffen und über Wagners Verhältnis zum Judentum und seinen Antisemitismus diskutiert. Der vorliegende Band versammelt die dort gehaltenen Vorträge (die englischprachigen in deutscher Übersetzung), ergänzt um Protokolle der heftig und kontrovers geführten Diskussionen. Das Spektrum der dabei behandelten Themen reicht von den biographisch-zeitgeschichtlichen Wurzeln von Wagners Antisemitismus bis zur Rezeption seiner Kunstreligion bei Mahler und Schönberg, von der politologisch-ideologiegeschichtlichen Lektüre seiner Schriften bis zum Einfluss seiner Ästhetik auf die Weltanschauung der Nazibewegung, nicht zuletzt von Thomas Manns Frage, wieviel ?Hitler? in Wagner steckt bis zum Bann, mit dem die Aufführung seines Werks nach dem Holocaust in Israel belegt wurde.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.10.2000

Seit Jahren wird heftig gestritten um die ideologische Erblast der Wagnerschen Musik: auf Symposien, durch Vorträge und Bücher, die wiederum die Vorträge der Symposien beinhalten bzw. ausbauen. Etwas "schulmeisterlich" kommt Albert von Schirnding die Art und Weise vor, wie diese Debatte von manchen Wissenschaftlern geführt wird. Von Schirnding stellt drei Bücher vor, die Beiträge zum Thema "Richard Wagner und der Antisemitismus" versammeln. 1) Dieter Borchmeyer, Ami Maayani, Susanne Vill (Hrsg.): "Richard Wagner und die Juden" Sieben israelische Wissenschaftler nahmen 1998 an der Tagung "Richard Wagner und die Juden" teil, die nicht irgendwo auf neutralem Gebiet, sondern in Bayreuth selbst stattfand. Aber selbst die schärfsten Kritiker, so von Schirnding, hätten sich im Ton zurückgehalten - auch wenn sich im nachhinein mancher von der Veranstaltung distanziert hat. 2)Saul Friedländer, Jörn Rüsen (Hrsg): "Richard Wagner im Dritten Reich" Ein Jahr später gab es wieder ein Symposium, berichtet der Rezensent, diesmal in Schloss Elmau. Dass diese zweite Tagung nun, wie Marc A. Weiner in seinem Beitrag behauptet, von der Atmosphäre her offener gewesen sei, findet Albert von Schirnding nach vergleichender Lektüre der beiden vorliegenden Dokumentationen nicht gerechtfertigt. Allein die Tatsache, dass sieben Redner in Bayreuth wie Elmau dabei waren, spreche dagegen, so von Schirnding. Beide Bände enthielten aufschlussreiche Untersuchungen über die "Beziehung von Ideologie und Ästhetik, Prophetie und Erfüllung, ... das Hitler-in-Wagner und Wagner-in-Hitler-Syndrom". Der dezidierte Anti-Wagnerianer Zelinsky durfte allerdings nur, bemerkt von Schirnding nicht allzutraurig an, bei der Elmauer Tagung sprechen. 3) Marc A. Weiner: "Antisemitische Fantasien. Die Musikdramen Richard Wagners" "Wagner-Hass macht nicht nur blind, sondern vor allem taub", schreibt Albert von Schirnding. Marc A. Weiner müsste demnach zumindest auf einem Auge blind und mit einem Ohr taub sein. Der Autor benennt das Verhältnis von Kunst und Politik als den wesentlichen Punkt der Debatte, so von Schirnding, wobei Weiner der Fehler unterlaufe, Politik mit Ideologie gleichzusetzen. Von Schirnding führt Brecht als Beispiel dafür an, dass der Dichter den Dogmatiker überwinden kann und man die ästhetische Komplexität eines Kunstwerks nicht unterschätzen sollte. Eine Reduzierung der Wagnerschen Musik auf "antisemitische Fantasien" erscheint ihm in der Fragestellung zu kurz gegriffen. Dennoch: stellenweise entwickele der Autor durchaus "produktiven Scharfsinn". Etwas verblüfft äußert sich von Schirnding dann über das Bekenntnis des Autors, dass gerade die antisemitischen Dimensionen im Werk Wagners eine große Faszinationskraft auf ihn ausüben. "Was will uns der Dichter damit sagen?", fragt der Rezensent konsterniert.
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