Die Erkundung Brasiliens

Friedrich Sellows unvollendete Reise
Cover: Die Erkundung Brasiliens
Galiani Verlag Berlin, Berlin 2013
ISBN 9783869710754
Gebunden, 256 Seiten, 39,99 EUR

Klappentext

In Zusammenarbeit mit dem Naturkundemuseum Berlin herausgegeben von Hanns Zischler, Sabine Hackethal und Carsten Eckert. Brasilien im 19. Jahrhundert: Ein bislang unerschlossenes Land öffnet sich der Welt. In Brasilien beginnt der Aufbruch in die Unabhängigkeit, die brasilianischen Häfen öffnen sich erstmals seit Jahrhunderten dem Ausland. Einer der Ersten, die sich auf die Suche nach bisher unbekannten Völkern, Kulturen, Tieren und Pflanzen dorthin aufmachten, ist Friedrich Sellow. Länger als irgendwer sonst zieht er (oft im Alleingang) ohne festen Wohnsitz durch das Land. Er sammelt tausende Tiere und Pflanzen, die Eindrücke seiner Reise hält er in seinen erst kürzlich entzifferten Tagebüchern fest. Sein Nachlass umfasst schließlich mehr als hundert Kisten. Doch der naturkundliche Schatz muss den Rückweg alleine antreten: Mit 42 Jahren ertrinkt Sellow im Rio Doce, nachdem sein Boot einen Felsen rammte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.12.2013

Friedrich Sellow ist der tragische Unbekannte aus der Zeit der großen Forschungsreisen des 19. Jahrhunders, referiert Lennart Laberenz: Legendär ist zwar seine Sammelwut, von der zahlreiche - teils noch überlieferte - Sendungen aus Lateinamerika an europäische Archive künden, doch machte ein früher Tod dem Vorhaben, sich auf Grundlage dieser Sammlungen als Inventarist von Flora und Fauna wissenschaftlich zu profilieren, einen jähen Strich durch die Rechnung. Geblieben sind lediglich Skizzen und Journaleinträge, aber keine Publikationen. Im Grunde also ein gefundenes Fressen für eine wissenschaftshistorische Hebung, an der sich die Aufsatzsammlung versucht. Allerdings will es Laberenz nicht so recht gelingen, sich über das faszinierende biografische Narrativ eines obskur gebliebenen Forschers hinaus zu begeistern: Zwar hebt der Kritiker die ansprechende Gestaltung des Bandes positiv hervor, doch lernt er Sellow darin als "eine etwas anämische Gestalt" mit preußisch leidenschaftslosem Arbeitsethos kennen, dem es in seinen nüchternen Protokollen an der glühenden Begeisterung seines Kollegen Humboldt erheblich mangelt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.10.2013

Dieses Buch gehört definitiv auf die Frankfurter Buchmesse, jubelt Rezensent Lothar Müller. In dem vom Berliner Naturkundemuseum herausgegeben Band "Die Erkundung Brasiliens", der die Forschungsreise Friedrich Sellows nachzeichnet, erlebt der Kritiker nicht nur den "Sammelfuror der europäischen Forschungsreisenden" und erfreut sich an zahlreichen Illustrationen von Pflanzen, Gesteinsproben, zoologischen und ethnologischen Objekten, sondern erhält auch  Einblicke in die politische Geschichte Brasiliens, erfährt wie das Land von den europäischen Machtverschiebungen betroffen war und was die Loslösung von Portugal für Brasilien bedeutete. Darüber hinaus folgt der Rezensent Selchows spannender Lebensgeschichte anhand von Aufsätzen und Auszügen aus seinen Tagebüchern und erfährt von der Bedeutung, die Alexander von Humboldt für Selchow hatte. Ein wunderbares Buch, das nicht zuletzt Einblicke in das Brasilienbild des 19. Jahrhunderts gewährt, lobt der begeisterte Kritiker.
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