Mit zahlreichen Abbildungen. Herausgegeben von Christa Rothmeier. Die vorliegende Anthologie enthält signifikante Texte von über vierzig tschechischen Schriftstellern, durch welche das Wien-Bild in der tschechischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts im historischen Wandel rekonstruiert wird. Aus dem in Genre wie Umfang heterogenen Material ergab sich ein thematisch und motivisch kohärentes Textcorpus, in dem sich gegen Wien gerichtete Vorwürfe auf Grund tatsächlich erlebten Unrechts, emotionale Projektionen und deren Relativierung die Waage halten. Den mit wenigen Ausnahmen chronologisch gereihten Textproben sind kurze Biobibliographien der Autoren und Autorinnen vorangestellt. Weiterführende Erklärungen sind in einem Anmerkungsapparat im Anhang enthalten. Im Vorwort der Herausgeberin wird die Rezeption Wiens in der tschechischen Literatur in ihrer gesamten Bandbreite vom literarischen und literarhistorischen Aspekt her untersucht und zum kulturhistorischen Hintergrund in Beziehung gesetzt. Die von der Historikerin Monika Glettler verfasste einleitende Studie "Das tschechische Wien historisch" dient der Einführung in die sozialgeschichtliche Thematik. Die Anthologie stellt durch die Hinterfragung des Wien-Topos aus tschechischer Sicht einen Beitrag zur Imagologie dar. Sie ermöglicht Einsichten in wienspezifische Themen, die in der österreichischen Literatur weithin ausgeklammert blieben, obwohl die Tschechen bis 1918 einen hohen Anteil an der Bevölkerung der Stadt stellten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.02.2005
Allen, die Wien nicht leiden können, bietet diese Sammlung historischer Äußerungen der Abneigung tschechischer Wien-Bürger offenbar beste Munition. "Heimstatt plumper Banalität" nannte der tschechische Dichter Josef Svatopluk Machar die Stadt, in der er lieber nicht gelebt und gedichtet hätte. Hundertsechzig lange Jahre der Undankbarkeit überblickt die Anthologie, neben den bekannten Namen finden sich, so der "Jdl" zeichnende Rezensent, auch "beruhigend viele unbekannte". Von den bekannten werden genannt: Jaroslav Hasek und Karel Capek, Milena Jesenska, Jan Skacel, Pavel Kohout und Ivan Binar. Der Rezensent hatte kaum verhohlen sein stilles Vergnügen.
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