Der Wiener Publizist Karl Kraus (1874-1936) war eine zentrale Figur der europäischen Moderne. Sein monumentales Werk umfasst nicht nur Essays, Aphorismen, Gedichte und Dramen, erschienen großteils auf den tausenden Seiten seiner Zeitschrift "Die Fackel", sondern auch hunderte Vorlesungen, Radiosendungen, Plakatkampagnen und Rechtsfälle. Er prägte seine Zeit ebenso, wie sie ihn prägte, etwa in dem Antikriegsdrama "Die letzten Tage der Menschheit" und der "Dritten Walpurgisnacht", seiner frühen Analyse des Nationalsozialismus. Die Kraus'sche Medienkritik, sein präzises Sprachdenken und aufklärerischer Witz haben das kritische Denken weltweit beeinflusst und zeigen bis heute, was es heißt, ein öffentlicher Akteur zu sein.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.11.2022
Spätestens jetzt, da ihm der Metzler-Verlag ein Handbuch widmet und ihn neben Lessing, Kant, Bach und Thomas Mann einreiht, dürfte Karl Kraus es geschafft haben, konstatiert Rezensent Jens Malte Fischer. Das Handbuch, herausgegeben von Simon Ganahl und Katharina Prager, bietet einige neue Erkenntnisse, selbst für Kraus-Kenner, versichert der Kritiker: Etwa zu Herkunft, Bildungsweg oder Essayistik von Kraus. Den größten Teil seiner Kritik widmet Fischer aber jenen Beiträgen, die ihn wirklich ärgern: Etwa wenn Joseph Wälzholz Kraus in einem Text vorwirft, er habe den Ersten Weltkrieg verpennt, weil er mit einer schwierigen Affäre beschäftigt war - oder wenn Wälzholz in einem anderen Text Kraus' Eintreten für Engelbert Dollfuß wenig differenziert darstellt. Auch das Fehlen von Abschnitten zu Kraus und den Dreißiger Jahren, oder zu Kraus' Haltung zur Psychoanalyse oder zum Judentum, stört Fischer. Zudem dürfte nicht jeder Leser in österreichischer Geschichte so bewandert sein, wie es die österreichischen AutorInnen voraussetzen. Dennoch: Die Glanzlichter in diesem Handbuch trösten den Rezensenten darüber hinweg und so hält das Werk für "unverzichtbar".
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…