Diane Broeckhoven

Ein Tag mit Herrn Jules

Cover: Ein Tag mit Herrn Jules
C. H. Beck Verlag, München 2005
ISBN 9783406529757
Gebunden, 92 Seiten, 12,90 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Isabel Hessel. Alice und Jules, ein altes Ehepaar, haben ein morgendliches Ritual - und auch an diesem Wintermorgen wird Alice geweckt von dem Duft des Kaffees, den Jules schon zubereitet hat. Doch als sie zu ihm ins Wohnzimmer kommt, sitzt Jules tot auf dem Sofa. Da beschließt Alice, diesen Tag noch mit ihrem toten Mann zu verbringen, denn es gibt das eine oder andere, was sie mit ihm zu klären hat und worüber nie gesprochen werden konnte. Wie immer kommt um zehn Uhr der kleine autistische Nachbarsjunge David, um seine übliche Partie Schach mit Jules zu spielen. Am Ende muss David sogar die Nacht bei Alice verbringen, eine ganz unvorstellbare Komplikation. Doch David reagiert ganz anders, als Alice befürchtet hatte, ja er überrascht sie sogar. Diane Broeckhovens Novelle über Alice und Jules und über David und Alice ist eine Geschichte über Rituale, Liebe, Verrat und Verlust, einen Verlust, der am Ende auf wunderliche Weise ausgeglichen wird.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.07.2005

Eindrucksvoll, wie Diane Broeckhoven ein lange vernachlässigtes Feld der Literatur, den natürlichen Tod und den damit einhergehenden Abschied der Überlebenden, beackert, lobt Dorothea Dieckmann. Die Protagonistin entdeckt ihren Mann tot auf dem Sofa und gemeinsam mit einem autistischen Kind trennt sie sich in den nächsten 24 Stunden von ihm. Die Kinderbuchautorin Broeckhoven habe mit ihrem Erstling für Erwachsene ein "poetisches Plädoyer" des Abschieds geschrieben, das ohne falsche Sentimentalität und Anmaßung den naiven, kindlichen Umgang mit dem Tod als Teil einer "friedlichen Utopie" beschreibe. Seine "Einfachheit" sei der große Vorteil dieses Romans, in dem Emotionen und Rationales immer ein Gleichgewicht finden, wie Dieckmann notiert. Besonders gut gefallen ihr auch die Personen, die, obwohl mit nur "wenigen Strichen" gezeichnet, doch so "gegenwärtig" sind.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.03.2005

Von fast ungetrübter Lesefreude zeugt Marion Lühes Besprechung des Romans "Ein Tag mit Herrn Jules". Wie schon der Titel besage, spielt die Geschichte an einem Tag, an einem Tag wie kein anderer. Genaugenommen sei es jedoch ein Tag wie jeder andere, und genau darin liege die außerordentliche Spannung des Buches. Denn Frau Jules finde ihren Mann morgens tot auf, entscheide sich jedoch - anstatt sofort den Leichenbestatter zu bestellen - einen letzten Tag mit ihm zu verbringen. Sie spielt sämtliche tagtäglichen Rituale aufs Peinlichste genau durch, und raubt damit dem Tod den Schrecken, indem sie ihn in die Normalität und Banalität des Alltags überführt, schreibt unsere Rezensentin. Im autistischen Nachbarsjungen, der wie jeden Tag zum Schachspielen mit Herrn Jules kommt, und seinerseits mit "sturer Gelassenheit" auf seinem Ritual beharrt, finde Frau Jules einen "heimlichen Verbündeten". So liest sich der Roman für die Rezensentin wie "eine Parodie auf den Satz, dass das Leben weitergeht", die mit viel schwarzem Humor getränkt sei. Einziger Kritikpunkt: Die vielen Metaphern haben Lühe das Lesen ein wenig schwer gemacht.