Detlef Linke

Einsteins Doppelgänger

Das Gehirn und sein Ich
Cover: Einsteins Doppelgänger
C. H. Beck Verlag, München 2000
ISBN 9783406467103
Broschiert, 157 Seiten, 15,24 EUR

Klappentext

Einsteins Doppelgänger ist der Versuch zu verstehen, weshalb wir dazu neigen, uns bei der Frage nach dem Zusammenhang von Gehirn, Ich und Erkenntnis mit Klonen, Doppelgängern und anderen Vervielfältigungen unseres Ichs auseinanderzusetzen. Offenbar ist die Verdoppelung des Ichs von besonderer Provokationskraft, denn das Bild des Doppelgängers lässt sich an vielen Stellen der Kulturgeschichte wiederfinden. Ist der Doppelgänger einerseits notwendiges Element im Prozess der menschlichen Selbsterkenntnis, so scheint er andererseits Ausdruck einer besonderen Eigenart unseres Denkens und Empfindens zu sein, das sich den Anderen vorwiegend nur als Spiegelung unseres Selbst oder als uns unterworfen vorstellen will. Das Ich denkt über sich nach, indem es aus sich heraustritt, sich verdoppelt und als etwas Anderes setzt, will dieser Spiegelung des "Originals" aber keine eigenen Qualitäten zubilligen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.07.2001

Ulf von Rauchhaupt fragt in seiner Rezension einleitend, was den Menschen wohl zum Menschen mache und scheint zuzugeben, dass er, wie die meisten Zeitgenossen, die Antwort "in jenem Kilo grauweißer Masse" gesucht hätte. Nach der Lektüre der "eigenwilligen Essaysammlung", die "den gängigen neuronalen Materialismus [...] etwas gegen den Strich bürste", scheint er diese Suche etwas modifizieren zu wollen. Die Persönlichkeit, das Ich, ließe sich ohne den Körper, "die restlichen ein bis zwei Zentner Zellgewebe", nicht begreifen, aber die gegenwärtige Bioethikdebatte laufe konsequent daran vorbei, referiert Rauchhaupt den Autor. Linke mute dem Leser in den ersten beiden Teilen des Buches leider nicht nur fachlich, sondern auch stilistisch einiges zu. Aber der Rezensent fand im dritten Teil des Buches "viel Bedenkenswertes ... gerade auch zu den bioethischen Aporien der Gegenwart" und einen "angenehm sokratischen" Denkstil: "fragend und auf Widersprüche hinweisend".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.09.2000

Mehr als die Hälfe der befragten Querschnittsgelähmten in einer Umfrage von "Bild der Wissenschaft" wären bereit, sich den Kopf notfalls auch transplantieren zu lassen, so berichtet Uwe Justus Wenzel aus "Einsteins Doppelgänger". Aber verlieren sie nicht ihre Identität, wenn sie dem Kopf einen anderen Körper unterschieben, fragt sich laut Wenzel auch der Autor, den die Frage "nach dem Menschenbild und seiner - grenzenlosen? - Plastizität umtreibt". Für Wenzel bewegt sich Detlef Linke, von Haus aus Neurochirurg, in einem buchstäblichen "Schnittfeld", in dem neurophysiologische, kulturwissenschaftliche, technologische und soziologische Forschungen und Erkenntnisse aufeinandertreffen. Linke spiele alle möglichen Varianten des Denkbaren und bislang Unvorstellbaren durch, so Wenzel, um gerade da, wo die Trennung der alten Disziplinen - zwischen Körper und Geist etwa - versagt, die Frage nach der Moral zu erneuern. Natürlich könne der Autor keine endgültigen Antworten liefern und sprachlich sei das Unternehmen auch nicht immer glatt gegangen, aber dennoch stellt "Einsteins Doppelgänger" für Wenzel eine anregende Lektüre dar.
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