David Peace

Tokio im Jahr Null

Roman
Cover: Tokio im Jahr Null
Liebeskind Verlagsbuchhandlung, München 2009
ISBN 9783935890656
Gebunden, 408 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Peter Torberg. Tokio, 1946: die Hölle auf Erden. Die Stadt liegt in Trümmern, ebenso wie die Seelen ihrer Bewohner. Es herrschen Angst und Korruption, niemand ist der, der er zu sein vorgibt. Inmitten der Schuttberge geht ein brutaler Serienmörder um, der junge Frauen missbraucht und erdrosselt. Die Polizei verhaftet schnell einen Verdächtigen, der aber nur einen der Morde gesteht. Inspektor Minami ist gezwungen, ältere Fälle neu aufzurollen, um den Täter zur Strecke zu bringen. Doch dabei verstrickt er sich in einem Netz aus Lügen und nackter Gewalt. Die Machenschaften des organisierten Verbrechens werden für ihn zur tödlichen Gefahr, genau wie die Intrigen innerhalb des Polizeiapparats. Langsam zerfließen die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit, und die Taten der Vergangenheit kommen ans Tageslicht. Denn auch auf Minamis Schultern lastet eine schwere Schuld.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 03.12.2009

Für Rezensent Tobias Gohlis war es fast ein wenig erwartbar, wie David Peace auch in seinem neuen Roman aufs Ganze zielt, jedem Entertainment abschwört und von einer demoralisierten Polizeitruppe erzählt, die im Nachkriegstokio einen Serienmörder zu überführen versucht. Wieder stellte sich dem Rezensenten die ganze Abscheulichkeit von Verbrechen dar, wieder geriet ihm die Lektüre zur Verzweiflungstat. Doch auch wenn Gohlis hier die Gefahr der Routine aufziehen sieht, will er dem Autor seine Könnerschaft nicht wirklich zum Nachteil geraten lassen. Zwischen Peace und dem "gängigen Unterhaltungsgesäusel", meint Gohlis, liegen "intellektuelle Kontinente".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.12.2009

Nach seinem "Red-Riding-Quartett" über den Yorkshire Ripper nimmt sich David Peaces neue Krimitrilogie erneut eines historischen Falls an, deren erster, nun auf Deutsch vorliegender Band in "Tokio im Jahr null", in der Übergangszeit nach dem Zweiten Weltkrieg, spielt, erzählt Rezensent Alexander Müller. Sehr dicht und beklemmend beschreibt der britische Autor seine zerrissene Hauptfigur Kommissar Minami, der eine Mordserie an jungen Frauen aufzuklären hat und selbst mit seiner dunklen Vergangenheit, dem korrupten Polizeiapparat und seiner eigenen Paranoia zu kämpfen hat, lobt der Rezensent. Tiefschwarz male Peace das Bild einer Stadt, in der sich Demokratie erst noch formen muss, so Müller, der vergebens nach einem Lichtblick auf eine etwas hellere Zukunft sucht. Für den Moment lässt sich der Rezensent von der Figur des mit sich selbst im Zwiespalt stehenden Kommissars überzeugen, allerdings könnte es passieren, dass Peaces stets "zerrüttete Erzähler" irgendwann zum Klischee werden, gibt Müller zu bedenken.
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