David Bröderbauer

Acker, Baulücke, Deponie

Ein Brachenatlas
Cover: Acker, Baulücke, Deponie
Matthes und Seitz, Berlin 2026
ISBN 9783751840422
Gebunden, 224 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Auf der Suche nach unberührter Natur wird gern übersehen, was der Menschenhand entsprungen ist: Brachen sind das Postskriptum jedweder Kultivierung und gleichzeitig der Beginn der Wildnis. Besenkraut, Silberregen oder Landreitgras, die der ungeübte Blick nur als Unkraut wahrnimmt, begrünen sie mit störrischem Wuchs. Ihre Entstehung ist hingegen untrennbar mit der Sesshaftwerdung des Menschen verbunden, erst die Abtrennung des Kulturlands von der Wildnis hat die Brache hervorgebracht. Wo heute unsere Toten ruhen, rahmt sie die Gräber, wo sich unser Abfall zu Bergen türmt, überwuchert Brachland die Hänge, und selbst im Niemandsland zwischen Staatsgrenzen gedeihen sie unbekümmert: Wo Menschen nur mühsam oder heimlich passieren können, zeugen sie von der Vielfalt des unbekümmerten Lebens.  In zwölf Etappen durchstreift David Bröderbauer das Brachland - vom Wiener Nordbahnviertel bis zur nordrhein-westfälischen Zeche Zollverein, vom burgenländischen Neusiedlersee über einen Truppenübungsplatz bis zur wüsten Marslandschaft. Sein Brachenatlas ist eine Einladung, den scheinbar unbedeutenden Raum zu erkunden, sein Nischendasein zu würdigen und seine widerständige Schönheit zu entdecken.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.09.2026

Rezensent Thomas Weber lobt die wissenschaftliche Analytik und die stilistische Eleganz, mit denen David Bröderbauer dem Leser Reiz und Vielfalt von industriellem und urbanem Ödland vermittelt. Laut Weber macht die angeleitete Erkundung dieser Lebensräume sensibel für ihre Schönheit und ökologische Funktion. Porträts von Brachentypen und Pflanzenarten, wie dem widerstandsfähigen Klatschmohn, liest Weber mit Neugier. Der Autor kann dem Leser das Beziehungsgefüge zwischen Mensch und Natur am Beispiel der Brachen überzeugend darlegen und eine neue, nicht romantisierende Wertschätzung anstoßen, hofft Weber.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.07.2026

Rezensentin Sylvia Staude stimmt ein in das Lob der Brache, zu dem sich Autor David Bröderbauer hier aufschwingt. Der Biologe Bröderbauer nähert sich in seinem Buch den Brachen katalogisierend und wissenschaftlich genau, sein Buch überzeugt freilich auch durch plastische Beschreibungen. Unter anderem streift er durch Stadtbrachen, Industriebrachen und Kriegsbrachen, sogar Weltraumbrachen kommen vor, den Anfang machen Ackerbrachen - erst einmal erstaunlich, findet Staude, sind Äcker doch erst einmal das Gegenteil von Brachen, aber sie werden eben doch zu solchen, wenn sie nicht jahraus jahrein bewirtschaftet werden. Bröderbauer zeigt auf, wie die von Menschen kaum beachteten Brachen zu ökologischen Nischen werden, in denen sich eine erstaunliche Artenvielfalt - pflanzlich und auch tierisch - entwickeln kann. Das gilt sogar für industrielle Brachflächen - diverse oft eigenartige Arten haben die Fähigkeit, sich an die dort vorhandenen Schadstoffreste anzupassen. Schlecht weg kommen hingegen Gärten, in denen die Natur streng zugerichtet wird. Also lautet das Fazit, dem sich die rundum überzeugte Rezensentin freudig anschließt: mehr Brachen wagen!

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