Dave Eggers

Bis an die Grenze

Roman
Cover: Bis an die Grenze
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2017
ISBN 9783462049466
Gebunden, 496 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. Josie, eine Zahnärztin, die ihre Praxis hat schließen müssen, bekommt Panik, als ihr Exmann darum bittet, die gemeinsamen Kinder seiner neuen Verlobten vorstellen zu dürfen. Sie packt die Kinder und flieht mit ihnen an den entlegensten Ort, der für sie ohne Pass erreichbar ist: Alaska. Die Reise in dem angemieteten, abgetakelten Wohnmobil durch die Wildnis rüttelt die Familie durcheinander. Der achtjährige Paul übernimmt die fürsorgliche Vaterrolle in der Familie, während die fünfjährige Ana Chaos und Zerstörung magisch anzieht. Was sich zunächst wie ein Abenteuerurlaub am Ende der Welt anfühlt, wird schnell zur verzweifelten Flucht. Nicht nur ein Lauffeuer, das in der Region ausgebrochen ist, scheint Josie auf den Fersen zu sein. Sie kämpft auch gegen die imaginären sowie realen Geister ihrer Vergangenheit und muss dafür bis an ihre Grenze gehen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.08.2017

Rezensent Tilman Urbach kann kaum glauben, dass "Bis an die Grenze" von dem selben Autor stammt wie die Dystopie "The Circle". Fast scheint es ihm als hätte Eggers mit seinem neuen Roman das Gegenstück zur kühlen, sterilen Welt in seinem Bestseller erschaffen wollen und es dabei mit den Emotionen und der Natur ein wenig zu gut gemeint. In seinem neuen Roman flüchtet eine Mutter mit ihren zwei Kindern vor ihrem Ex-Mann und ihrem Alltag von Ohio nach Alaska, doch natürlich nimmt sie ihre Probleme mit sich. Es ist eine runde Geschichte, voller verständlicher Entscheidungen und plausibler Wendungen - zu plausibel, bedauert der Rezensent: nicht nur jede clevere Idee wird zu Tode geritten, auch die Figuren sind schattenlos ausgeleuchtet, bemängelt er. Einen Pluspunkt vergibt Urbach jedoch für die "heimliche Sympathie", die der Leser unweigerlich gegenüber einer Hauptfigur empfinden müsse, die trotz aller Widrigkeit nie die Hoffnung verliert.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.05.2017

Rezensentin Katharina Granzin liest Dave Eggers' neuen Roman "Bis an die Grenze" als eine Art "frauenverstehendes" Roadmovie. Die an Jon Kracauers "Into the Wild" erinnernde Geschichte um Josie, die mit ihren beiden Kindern in einem alten Wohnmobil vor ihrem Mann und der amerikanischen Zivilisation Richtung Alaska flieht, lässt die Kritikerin ganz dicht an ihre paranoische Hauptfigur heran: Nicht immer kann Granzin alle Beweggründe der nicht mehr ganz jungen Mutter nachvollziehen, der kleinen Familie folgt sie aber mit viel Sympathie. Dass Eggers' Helden jede noch so brenzlige Situation gut überstehen, mag die Spannung ein wenig dämpfen, meint die Rezensentin. So recht will sich ihr auch nicht erschließen, worauf der Autor mit diesem an Gesellschafts- und Zivilisationskritik nicht sparenden Roman eigentlich hinaus will. Dennoch scheint sie das Buch gern gelesen zu haben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.04.2017

Zunächst ist Rezensentin Petra Ahne irritiert, dass Dave Eggers nach Romanen wie "Zeitoun" oder "The Circle" nun die Geschichte einer vierzigjährigen, alleinerziehenden Mutter erzählt, die mit ihren beiden Kindern nach der Pleite ihrer Zahnarztpraxis aus ihrem Vorstadt-Leben in Ohio zu einer Wohnmobil-Tour durch Alaska aufbricht. Schnell erscheint der Kritikerin der neue Roman aber als logische Fortsetzung von "The Circle": Während Eggers dort die "falschen Heilsversprechen" des Silicon Valley untersuchte, durchleuchtet er nun die "naive Sehnsucht" eines einfachen Lebens in der Natur, erklärt Ahne, die sich mit den Schilderungen einer überforderten Mittelstands-Elternschicht und den verschiedenen Missgeschicken auf der Reise bestens amüsiert. Eggers Figuren sind differenziert und ergreifend gezeichnet, einem simplen Happy End entgeht der Autor geschickt und auf die großen Fragen nach dem Glück gibt Eggers keine einfachen Antworten, lobt die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 30.03.2017

Bei aller Verehrung für Dave Eggers kann Rezensent Burkhard Müller doch über die sprachlichen "Defizite" im Oeuvre des amerikanischen Autors nicht hinwegsehen. Ein paar Flüchtigkeitsfehler mögen im neuen Roman "Bis an die Grenze" zwar auf die Rechnung der beiden Übersetzer gehen - die wesentlichen Mängel sind Eggers allerdings selbst geschuldet, meint der Kritiker. Nichtsdestotrotz findet er den Roman fesselnd und bewundert einmal mehr Eggers' passionierte Erzählhaltung. Müller folgt hier der alleinerziehenden Zahnärztin Josie, die, ruiniert nach einem Schadensersatzprozess, mit ihren Kindern und ohne Pass in einem Wohnmobil nach Alaska reist. Wie einfühlend Eggers seine halbherzige, selbstmitleidige, aber tapfere Heldin schildert, die er in bewegenden Szenen doch ein wenig Glück finden lässt, hat dem Kritiker gefallen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.03.2017

Rezensent Jan Wiele kann gar nicht fassen, wie sehr sich Dave Eggers mit diesem Roman verhoben hat. Nicht nur die Sexszenen lassen Wiele die Haare zu Berge stehen. Jede Menge Kitsch über die wilden unendlichen Weiten Alaskas, die Freiheit auf dem Highway und das Leben unter freiem Himmel muss Wiele ertragen, wenn Eggers eine aussteigende Mutter aus Ohio samt Kindern auf einen Roadtrip schickt und sie einen gehörigen seelischen Ballast enttäuschter Hoffnungen mitnehmen lässt. Dabei bleibt es dem Rezensenten schleierhaft, ob Eggers seine Figur nun heldenhaft findet, wie der Originaltitel suggeriert, oder eher lächerlich. Egal, findet Wiele schließlich angesichts des arg konzeptuell geratenen Romans, der auch noch mit einer wenig eleganten Übersetzung geschlagen ist, wie der Rezensent bedauernd feststellt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.03.2017

Rezensentin Meredith Haaf kann nicht sagen, dass dieser Roman von Dave Eggers sie rundum begeistert hätte. Die Geschichte einer Aussteigerin, die mit ihren Kindern in einem Wohnmobil durch Alaska tourt und die Grenzen nomadischer Freiheit austestet, erscheint Haaf bei allem Humor doch allzu sozialpädagogisch inspiriert. Immerhin weniger prototypisch entworfen als "The Circle", wie Haaf erklärt, nervt das Buch die Rezensentin zudem mit einer "vor lauter Erfülltheit" drögen Sprache. Berührend und lesenswert findet sie den Roman allerdings dennoch, vor allem aufgrund der Protagonisten, die der Autor laut Haaf geradezu liebevoll bemuttert.
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