Daniela Danz

Portolan

Gedichte
Cover: Portolan
Wallstein Verlag, Göttingen 2025
ISBN 9783835359086
Gebunden, 85 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Portolan - so nennt man die Seekarten, die den Blick weg vom Land auf die Meere lenken und verzeichnen, was für die Seefahrt von Bedeutung ist. Die Landmassen werden hier zur unbeschriebenen Fläche, zur "terra incognita", und genau dieser Perspektivwechsel vollzieht sich in Daniela Danz` neuem Gedichtband. Dieser widmet sich dem Wegenetz der Frachtschifffahrt, mit dem jede und jeder Einzelne von uns in der globalisierten Welt aufs Engste verbunden ist. Die Gedichte beleuchten unser Verstricktsein hierin, die Auswirkungen auf die Natur und greifen dabei auch weit zurück, zu Antike und Mystik. Die "Versenkung" meint in diesem Band nicht nur das tatsächlich Versunkene, die Hinterlassenschaften in Form von untergegangenen Schiffen und verlorener Fracht auf dem Grund der Meere, sondern auch die (religiöse) Kontemplation als Gegenstück zur Verteilung und Zerstreuung der Warenwelt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2025

Beate Tröger taucht sehr gerne ein in die Gedichte, die dieser Band versammelt. Daniela Danz beschäftigt sich in diesem Buch mit dem Thema Meer, lesen wir, und zwar in verschiedenen Dimensionen: Die Dichtungen über das Meer von Homer bis Hölderlin spielen eine Rolle, aber auch die Ausbeutung des Meeres durch den Menschen in unserer Gegenwart. Konzentrierte, sich an die Gegenstände anheftende Gedichte verfasst Danz laut Tröger, wichtig sind dabei Dualismen wie Vernunft und Glaube. Trauer und Leichtigkeit verbinden sich in diesen Versen aufs Trefflichste, staunt Tröger: "bin ich ein Schiff / ein Schiff bin ich / das sinkt oder aufsteigt", zitiert sie. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.09.2025

Anerkennend bespricht Rezensent und Germanist Björn Hayer Daniela Danz' neuen Gedichtband. Heiter geht es darin nicht zu: ganz auf der Linie ihres "ökopoetischen" Programms schon aus Vorgängerwerken nehme die Autorin hier Umweltzerstörung, Kriege, den Klimawandel in den Blick - und die Wurzel allen Übels: die Selbstüberschätzung des Menschen, die die Autorin die Odyssee zitieren lässt. Ozeane werden hier zum bloßen "Wirtschaftsraum", resümiert Hayer, Kühe verrecken in Kot und Dreck, auch die "Ich-Zerrüttung" kommt auch nicht zu kurz - und die bleierne Schwere der Thematik findet ihren Ausdruck auch in den "Monolithen"-artigen Texten im seitenfüllenden Blocksatz, lobt der Kritiker. Zur letzten Zuflucht wird, so Hayers Analyse, die Sehnsucht nach dem Gegenüber, die hin und wieder durchblitzt, wie im Falle einer Möwe, die sich zum Mond hingezogen fühlt, sich anschmiegen will. Ein finsterer, von hellen Momenten gespickter Band, "souverän geschrieben und welthaltig", lobt der Kritiker.

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