Voller Enthusiasmus ist die Hamburger Studentin Lou in den siebziger Jahren nach London gereist, um eine Arbeit über jüdische Emigranten zu schreiben. Per Zufall trifft sie den viel älteren Friedrich L. Samson, der aus einer angesehenen jüdischen Familie Berlins stammt und 1934 über Spanien und Frankreich nach England ausgewandert ist. Sie verlieben sich ineinander und ziehen in Samsons Haus bei Golders Green, in dem sich seine neue englische und die verlorene Welt durchdringen. Die Schatten der Vergangenheit führen in allen Ecken und Winkeln ein launisches Eigenleben, manchmal verführen sie Samson dazu, Lou von früher zu erzählen, oft entziehen sie ihn ihr. In diesem aus der Zeit gefallenen Kosmos leben Samson und Lou eine ungewöhnliche Liebe, die zwischen Vertrautheit und Entfremdung, Nähe und Ferne schwankt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.11.2010
Nicht ganz zufrieden ist Rüdiger Görner mit Corinna Schnabels Roman "Herzgegend". Zwar findet er die Geschichte um eine Hamburger Studentin, die sich in den 70er Jahren in London in einen wesentlich älteren jüdischen Emigranten verliebt, recht berührend. Auch bescheinigt er der Autorin "poetische Passagen" und Momente "großer Verdichtung". Zudem wirkt die Liebe zwischen dem älteren Emigranten und der Studentin in seinen Augen nicht unglaubwürdig. Aber dies kann die Schwächen des Buchs für den Rezensenten nicht verdecken. Die Geschichte hat seines Erachtens eher Novellenstärke. Er moniert erhebliche Längen und Leerläufe in der Handlung. Außerdem scheint ihm die Prosa der Autorin oft sehr zäh. Görners Fazit: die Leerläufe des Romans "bringen den Text um seine Wirkung".
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