Claretta Cerio

Mein Capri

Cover: Mein Capri
Marebuchverlag, Hamburg 2010
ISBN 9783866481343
Gebunden, 192 Seiten, 18,50 EUR

Klappentext

Wer heute nach Capri reist, dem kann vieles von dem alten Zauber, der den legendären Ruf der Insel begründet hat, entgehen. Claretta Cerio aber hat jene Zeit selbst erlebt: Als Tochter eines Deutschen und einer Italienerin auf Sylt und Capri aufgewachsen, verbrachte sie ihre intensivsten Jahre auf der Insel im Tyrrhenischen Meer, wo sie 1953 den Schriftsteller Edwin Cerio heiratete und zahlreichen Künstlerpersönlichkeiten begegnete. Jetzt erzählt sie die Geschichte der Capreser Villen und ihrer Bewohner: Sie weiß, in welcher Gesellschaft Wladimir Iljitsch Uljanow in der Villa Rossa feierte, bevor er als Lenin bekannt wurde, weshalb Alfred Krupp sich von den Capresen verstanden fühlte und warum Brecht die Insel eine "verdammte blaue Limonade" nannte. Sie berichtet von der parabelhaften Feindschaft zwischen dem Küstenstädtchen Capri und dem Bergdorf Anacapri, von der Schrulligkeit der deutschen Pensionsgäste der 1930er Jahre und von Göttern und Naturgeistern, die der einsame Wanderer noch heute trifft, wenn er sich fern von allem Massentourismus auf die steilen Pfade des Monte Solaro wagt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 03.02.2011

Capri ist ein deutscher Sehnsuchtsort, meint Rezensent Dieter Richter. Und darum ist ein Buch wie das von Claretta Cerio immer mehr als nur eine Inselbeschreibung. Cerio, die seit vielen Jahren in der Toskana lebt, hat als Kind regelmäßig den Sommer auf Capri verbracht, lesen wir. Ihr Großvater August Weber hatte dort in den 1880er Jahren die "Strandpension" gegründet. Ihr Vater hatte dort Cerios Mutter kennengelernt und Cerio selbst hat den Historiker der Insel, Edwin Cerio, geheiratet. Am besten gefallen Richter die Geschichten, in denen Cerio mit dem "neugierig-ängstlichen Blick" des Kindes von den Gästen erzählt, die den Sommer in der Strandpension verbrachten. Wenn sie dagegen über das heutige Capri schreibt, über den Massentourismus etwa, hätte sich der Rezensent einen etwas realistischeren Blick gewünscht. Als "Erinnerungslandschaft" gefällt ihm diese ganz persönliche Geschichte Capris besser.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.10.2010

Ebenso vornehm wie matt fällt die Besprechung von Thomas Steinfeld aus, seines Zeichens selbst Capri-Kenner und Verfasser einer Biografie über den illustren schwedischen Inselbewohner, Arzt und Schriftsteller Axel Munthe. Neue Erkenntnisse scheint er nach der Lektüre des autobiografisch und anekdotisch gehaltenen Buches von Claretta Cerio nicht gewonnen zu haben. Die Erinnerungen der "Schriftstellerin von eigenen Verdiensten" (die leider unerwähnt bleiben) und Witwe von Edwin Cerio (dem 1960 verstorbenen intellektuellen Vermittler zwischen zugereister Boheme und einheimischer Bevölkerung) gehören für den Rezensenten in die Kategorie "beseelte Nachrede, höherer Tratsch, ganz ohne Bosheit".
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