Christoph Buchwald (Hg.), Klaus Wagenbach (Hg.)

100 Gedichte aus der DDR

Cover: 100 Gedichte aus der DDR
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2009
ISBN 9783803132222
Gebunden, 168 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Herausgegeben und mit einem Nachwort von Christoph Buchwald und Klaus Wagenbach. Ein Blick zurück auf die DDR: Die einzige Anthologie ihrer schönsten und charakteristischen, ihrer vergessenen, geförderten und verbotenen Gedichte. "Ist es nicht merkwürdig, dass die DDR mit ihrem zynisch aufgepäppelten, dann wieder gegängelten Literatursystem viel Namhafteres hervorgebracht hat als die große Freiheit nach der Stasi?" So fragt die FAZ im Jahr 2008. Gegenfrage: Wie gehen wir als Erben mit der DDR- Literatur um, die doch selbst das "kulturelle Erbe" so hoch gehalten hat, dass man es manchmal schon nicht mehr erkennen konnte? Das gilt besonders für die Lyrik der DDR. Christoph Buchwald (jüngerer Herausgeber des Jahrbuch für Lyrik) und Klaus Wagenbach (älterer Tintenfisch) machen die Probe aufs Exempel und haben 100 Gedichte ausgewählt, angefangen mit antifaschistischen Gedichten (nach dem staatstragenden Leitspruch "Der Antifaschismus ist unser, die BRD hat ihn uns überlassen.") und endend mit den letzten Gedichten der achtziger Jahre (nach dem Motto "Wie komme ich hier raus?" oder "Was geschieht mit dem Volkseigentum, wenn das Volk wegläuft?").

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.11.2009

Als im großen und ganzen zur Einführung in die DDR-Lyrik tauglich beschreibt Richard Kämmerlings den vorliegenden Band. Allerdings gelte das nicht gleichermaßen für alle Kapitel. Mit dem ersten Abschnitt zu den frühen "Aufbau"-Jahren ist der Rezensent am glücklichsten: hier findet er, was er da auch gesucht hätte, bedeutende Gedichte von Huchel bis Bobrowski. Und während auch die siebziger Jahre als weitere Blütezeit der DDR-Lyrik gut repräsentiert sind, äußert Kämmerlings beim letzten Kapitel "Proben des Grenzfalls" seine Unzufriedenheit. Nicht nur die "wirre Chronologie" und ein Mangel an Hintergrundinformationen zur Veröffentlichung fielen hier besonders stark ins Gewicht. Auch dass die - nachmals politisch diskreditierte - Prenzlauer-Berg-Lyrik so gut wie gar nicht vorkommt, leuchtet ihm nicht wirklich ein.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 23.05.2009

Der hier rezensierende, 1970 in Ostberlin geborene Schriftsteller Jochen Schmidt begrüßt diesen von Christoph Buchwald und Klaus Wagenbach herausgegebenen Band "100 Gedichte aus der DDR". Die versammelten Gedichte, die in Themenfelder wie "Auferstanden aus Ruinen", "Das Aufbegehren und die Macht", "Proben des Grenzfalls" usw. eingeordnet sind, scheinen ihm freilich von durchaus unterschiedlicher Qualität.  Ausführlich berichtet er über den hohen Stellenwert, den die Lyrik in der DDR hatte, über Gedichte schreibende Arbeiter und über die Stasi als fleißiger Lyrikleser. Er hebt den Einfluss Brechts auf zahlreiche Autoren hervor, wie etwa Heiner Müller oder auch Wolf Biermann. Neben "starken Gedanken" wie in Richard Pietraß' "Die Schattenalge" findet er in dem Band immer wieder "zeitloses Lyrik-Kauderwelsch". Lobend erwähnt er u.a. Hans-Eckart Wenzel, dessen Ton überlebt habe, Helga M. Novak, Sarah Kirsch, Franz Fühmann und Katja Müller-Lange. Die Gedichte aus den letzten DDR-Jahren zeichnen sich für ihn durch "Nonsens" und "surreale Sinnverweigerung" aus. Generell konstatiert Schmidt lyrische Vielfalt, in die sich überaus gelungene und weniger gelungene Gedichte mischen.
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