Ketzer werden gemacht. Das Hochmittelalter hat die Ketzer als ein Mittel erfunden, um Gegner zu religiösen Abweichlern zu stempeln. Sie gehen nicht nur des eigenen Heils verlustig, sondern bedrohen als eine ansteckende Krankheit auch alle übrigen Gläubigen. Nur ihre Vernichtung durch Feuer kann die Epidemie wirkungsvoll beseitigen. Dazu muss man die Ketzer mit einer speziell ausgebildeten Untersuchungseinheit aufspüren, der Inquisition. Bis zur Einrichtung dieses Verfahrens um 1200 und zu seiner Anwendung auf Laien ab 1231 war es ein weiter Weg. Dieses Buch beschreibt die Geschichte der "Ketzer" im Zusammenhang mit einer Religionsgeschichte des Hochmittelalters.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.12.2005
Zufrieden zeigt sich Rezensent Wolfram Kinzig mit Christoph Auffarths Buch über den Umgang des Abendlandes mit religiösen Dissidenten. Er würdigt den Autor als "Kenner der Thematik im Mittelalter". Seine Geschichte der Ketzer befindet sich nach Ansicht Kinzigs auf dem neuesten Stand der Forschung. Allerdings moniert er an dem Buch eine Verengung der Perspektive auf das Mittelalter. Auffarths Kernthese, die Ketzer seien eine Erfindung des mittelalterlichen Papsttums, wertet Kinzig als "überraschend". Im Blick auf die Etymologie des deutschen Begriffes gibt er dem Autor zwar recht, sachlich aber habe es Ketzer bereits in der Antike gegeben. Auch was die Beschreibung der involvierten theologischen Probleme betrifft, hätte sich Kinzig etwas mehr gewünscht. Hier halte sich Auffarth "auffällig bedeckt".
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