Christine Pitzke

Versuche, den Morgen zu beschreiben

Roman
Cover: Versuche, den Morgen zu beschreiben
Jung und Jung Verlag, Salzburg 2004
ISBN 9783902144782
Gebunden, 141 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Krol kommt aus dem Krieg. Allmählich verändert er sich. Er verlässt das Haus nicht mehr, sogar der Blick in die hellen Wolken schmerzt, Gespräche von außen wehrt er ab, an Arbeit ist vorerst nicht zu denken. Wütend ist er, "dann wieder liegt er kalt und niedergeschlagen, ein Gefühl, sagt er, als ob eine Hautschicht erstarrt sei. Die ganze Nacht muß Licht brennen ...Tut mir leid, sagt Krol, ich bin nun einmal kein Held und habe nie behauptet, einer zu sein, ich nehme Zuflucht bei einer Frau." Zuflucht vor Bildern, die an die Oberfläche drängen, jetzt, wo er wieder zu Hause und in Sicherheit ist. Er war im Auftrag seiner Firma unterwegs, plötzlich war die Stadt im Ausnahmezustand und er mittendrin. Der Ausnahmezustand dauert an, greift mit der Zeit auch auf die Frau über, bei der er eingezogen ist. Eine Ärztin, eine Spezialistin der Wundversorgung, ist sie und kann doch dem Schmerz kaum etwas entgegensetzen. So tasten sie sich gemeinsam in mögliche Tagesabläufe voran, erfinden Rituale, Geschichten, entwerfen Zukunft.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.08.2005

Berührt zeigt sich Rezensentin Daniela Strigl von Christine Pitzkes Roman über Krol, einen vom Krieg gezeichneten Mann, der über das Erlebte nicht sprechen kann und will. Die Ich-Erzählerin, seine alte Liebe, eine Anästhesistin, nimmt Krol bei sich auf, um ihm beizustehen. Sieht es zunächst so aus, als ob sich Krols düstere Stimmung, Weltangst und Wut auf die Anästhesistin übertragen, kommt allmählich ein Heilungsprozess in Gang. Überzeugt hat Strigl die sprachliche Qualität des Romans: "Immer wieder überraschen die Stärke der Bilder, die Originalität der Gedanken, die Genauigkeit der Formulierungen", lobt sie. Die "Versuche, den Morgen zu beschreiben" sieht sie zum einen als Beschreibungen des auf die Nacht folgenden Ungewissen, zum anderen als Versuche, die Gegenwart zu beschreiben als eine, in der der Krieg nicht bloß anderswo stattfindet.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.09.2004

Einen mutigen Roman legt Christine Pitzke mit ihrem Erstling vor, findet Rezensentin Dorothea Dieckmann. Als großes Thema des Romans hat sie den Schmerz ausgemacht, genauer, mit Carlo Emilio Gadda benannt: die "Erkenntnis des Schmerzes". Ein Kriegsteilnehmer kehrt aus dem Süden heim nach München. Eine alte Freundin, eine Anästhesistin, nimmt sich seiner an. Nach und nach gehen sie in einer schweigsamen Symbiose der Schmerzbewältigung zwischen Verstummen und lauthalsigem Lachen auf; auf die Dauer entfremdet sie diese Lebensform ihrer Um- und Mitwelt. Dass dieses trockene erzählerische Experiment aufgeht, liegt, so die Rezensentin, an der Sprache der Autorin, deren Zugriff sie an Schriftstellerinnen wie Anne Duden, Friederike Kretzen oder Yoko Tawada erinnert. Pitzkes sprachliche Bandbreite umfasst "wissenschaftliche Phantasie" ebenso wie "trockene Alltagsregistratur und hochgestimmte Metaphorik". Ein beinahe lyrischer Roman, ein Literaturerlebnis, schwärmt die Rezensentin.
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