Christian Schwaabe

Antiamerikanismus

Wandlungen eines Feindbilds
Cover: Antiamerikanismus
Wilhelm Fink Verlag, München 2003
ISBN 9783770539260
Kartoniert, 228 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Antiamerikanismus hat im modernen Deutschland eine lange, wenn auch keineswegs bruchlose Tradition. Das durchaus ambivalente Verhältnis zu Amerika erfüllt in sehr unterschiedlicher Weise eine wichtige Funktion bei der Frage nach der eigenen deutschen Identität. Christian Schwaabe verknüpft in seiner Untersuchung diese beiden Dimensionen als zwei Seiten derselben Medaille: Die deutschen Amerikabilder sind Spiegelungen des eigenen Selbstbildes. Dabei markiert das Jahr 1945 eine fundamentale Wende. Der Antiamerikanismus vor 1945, zumal in Weimar, ist ein rechter, radikal antiwestlicher. Nach 1945, mit dem apokalyptischen Scheitern des deutschen Gegenentwurfs eines martialischen Heldentums, wird Amerika in vielerlei Hinsicht zum Katalysator der bundesdeutschen Verwestlichung. Neben der lebensweltlichen "Amerikanisierung" kommt es spätestens mit 1968 und dem Vietnamkrieg zu einem neuen, nun "linken" Antiamerikanismus. Jetzt stehen die USA, in bemerkenswerter Verkehrung der alten Rollen, für Militarismus und Imperialismus. Sie stehen damit auch für die eigene deutsche Vergangenheit, von der sich die zivilen, postheroischen Bundesbürger gründlich gelöst haben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.04.2004

Werner Fink ist skeptisch: Wenn der Antiamerikanismus, historisch gesehen, eine Reaktion gegen Moderne und "Verwestlichung" war, wie passt dann die Amerikafeindlichkeit der Linken in dieselbe Kategorie? Denn so lautet eine These von Christian Schwaabe: rechter Antiamerikanismus seit dem Kaiserreich, linker seit 1968, unterbrochen nach 1945 von einer Phase des positiven deutschen Amerikabildes. Leider ist damit, so Fink, "wenig an begrifflicher Klarheit gewonnen" - die Begriffskeule, mit der sich gegenwärtig so harte Schläge austeilen lassen, bleibe auch am Ende der Lektüre intakt. Aber immerhin, beeilt sich der Rezensent hinzuzufügen: eine anregende Geschichte sich wandelnder Amerika-Bilder im deutschen Bewusstsein habe Schwaabe dennoch geschrieben.
Stichwörter

Beliebte Bücher

Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…
Eva Menasse. Alleinruhelage - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Eva Menasse: Alleinruhelage
Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.…
Dörte Hansen. Broder - Roman. Penguin Verlag, München, 2026.Dörte Hansen: Broder
"Es zählt nur einer auf dem Hof, das ist der Sohn, der bleibt. Aber die anderen, die übrig sind, die zweiten, dritten, vierten Söhne und die Töchter, die nicht zählen, bleiben…