Aus dem Französischen von Ulrich Pröfrock. Olympia ist Schauspielerin mit Leib und Seele. Sie träumt davon, ein Mal die Julia in Shakespeares Liebesdrama zu spielen. Allerdings weigert sie sich, auf die Besetzungscouch zu steigen, schließlich glaubt sie an die wahre Liebe. Als sie bei Dreharbeiten tatsächlich ihren Romeo kennenlernt, wird alles noch komplizierter: Die eifersüchtige Venus, Star der Orsay-Studios, setzt alles daran, ihre Konkurrentin auszustechen und Romeo für sich zu gewinnen.
Catherine Meurisse vereint in "Olympia in Love" Film, Malerei und Tanz, inszeniert ihre eigene "West Side Story" und verlegt diese kurzerhand ins Pariser Musée d'Orsay. Dabei bringt sie nebenbei auch insgesamt 50 Gemälde unter, die nicht nur kunstverständige LeserInnen erfreuen werden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 07.03.2019
Kunst und Comic, das ist eigentlich eine natürliche Verbindung, denkt sich Rezensent Christian Gasser und wird in dieser Meinung neuerdings von Kunstmuseen bestätigt. Die Frage ist jedesmal, wie geht der Comic-Künstler mit der Kunst um: Imitiert er den Stil des Künstlers? Bleibt er bei seinem eigenen, setzt er die Kunst als Zitat ein? Was alles möglich ist, findet Gasser wunderbar veranschaulicht in drei - wie er findet: großartig gelungenen - Comic-Künstlerbiografien: Typex' "Andy", Lars Fiske "Grosz" und Catherine Meurisses "Olympia in Love". Die französische Zeichnerin Meurisse hat eine fiktive Künstlerbiografie geschaffen: Die der immer wieder nackt abgebildeten Olympia, die hier im Musee d'Orsay um Maler buhlt, die sie doch bitte als Hauptfigur malen sollen. Es geht zu wie beim frühen Film, erklärt der amüsierte Rezensent, da gibts Konkurrenz, Kulturkämpfe und Zickenkriege. Nebenbei werden einem fünfzig Gemälde nahegebracht, die hier nicht als Imitation, sondern al "lebendige Inspirationsquellen" in Erscheinung treten. Für Gasser eine "witzige und abgründige" Beschäftigung mit dem weiblichen Modell in der Kunst.
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